"Wenn einer eine Reise tut, ...

Montag, 01.09.2014

...dann kann er was erzählen. Drum nähme ich den Stock und Hut und tät das Reisen wählen."
Matthias Claudius, Dichter (1740 - 1815)

Wir reisen gern, das war schon immer so. In den 70ern ging es mit dem Zelt nach Italien und quer durch Frankreich. Die erste Fernreise führte uns 1980 auf die Malediven. Dort segelten wir "pauschal mit Neckermann" von Trauminsel zu Trauminsel. Später wurde die dänische Inselwelt unser ständiges Segelrevier. Über den großen Teich in die USA, ins  Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ging es zum ersten Mal Mitte der 90er Jahre. Wir verliebten uns auf der Stelle in das weite, vielfältige Land und die Freundlichkeit der Menschen und waren seitdem mehrmals dort, um immer wieder neue Landesteile zu erkunden.

"From the redwood forest to the Gulf Stream waters, this land was made for you and me" (Woody Guthrie, amerik. Singer/Songwriter 1912 - 1967)

Die Weite, die grandiosen Landschaften und Naturparks, endlose Wälder, Felder und Wüsten, die Küsten und Berge, Palmen und Indian Summer, pulsierende Großstädte mit Leuchtreklamen und Glitzerwelten, stille Baumwollfelder und verschlafene Provinznester, in denen die Zeit still zu stehen scheint – all das hat es uns angetan.

Amerika war und ist multikulturell, man trifft auf Menschen aller Hautfarben. Nach wie vor sind die Vereinigten Staaten ein beliebtes Einwanderungsland. Circa eine Million Menschen erhalten zur Zeit pro Jahr eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Neben der englischen ist die spanische Sprache weit verbreitet. Während die indianischen Ureinwohner nur noch etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung ausmachen, haben etwa 13 Prozent afrikanische Wurzeln.

Übrigens haben 72 Prozent der Amerikaner europäische Vorfahren, vor allem Spanier, Franzosen und Engländer, ebenso Deutsche, Iren, Italiener und Skandinavier. Wenn also gelegentlich "die Amis" für die Übel dieser Welt herhalten müssen, kritisiert man damit vor allem die Nachkommen der eigenen Verwandten

 

 

Wieso, Weshalb, Warum

Donnerstag, 04.09.2014

"And still I stand this very day / With a burning wish to fly away / I'm still looking / Looking for the summer"(Chris Rea, "Looking for the summer")

Nach einem langen Arbeitsleben zieht es uns nun nach Florida, wo wir dem kalten deutschen Winter durch einen längeren Aufenthalt ein Schnippchen schlagen wollen. Mit anderen Worten: Wir werden "Snowbirds" - so nennen die Amerikaner ihre Landsleute aus dem Norden, die im Winter in die wärmeren Gegenden flüchten, um der kalten Jahreszeit zu entkommen.

In Florida liegt die Durchschnittstemperatur von Oktober bis März im Schnitt bei 25 Grad, und es ist nicht so schwül wie im floridianischen Sommer. Die Zeit der tropischen Stürme endet im November und beginnt erst wieder im Juni. Beste Bedingungen also für einen Langzeiturlaub. Vielleicht, so der Plan, finden wir ein kleines Apartment, das wir kaufen können.

"Ordnung ist am Ende...

Sonntag, 07.09.2014

...auch nur das Durcheinander, an das man sich gewöhnt hat" (Robert Lemke, Journalist und Moderator, 1913 - 1989)

Unsere To-Do-Liste vor der Abreise:

- Visum beantragen

Will man länger als 90 Tage pro Jahr in den USA bleiben, ist ein Visum erforderlich. Dazu füllt man einen ellenlangen Antrag online aus, beschafft sich Passfotos in einem speziellen Format und fügt sie dem Antrag bei. Nach Zahlung einer Gebühr bucht man einen Interview-Termin. Das für uns zuständige Konsulat ist in Berlin. Da die Termine durchweg in den Morgenstunden stattfinden, übernachteten wir in der Hauptstadt. In der Botschaft durchliefen wir einen Sicherheitscheck (wie am Flughafen) und warteten inmitten vieler anderer Antragsteller auf unseren Aufruf. Wir mussten unsere Fingerabdrücke abgeben, dann fragte uns der Konsulatsmitarbeiter nach dem Grund unseres Visa-Antrags, und kurz darauf sprach er die erhofften Worte: "Ihr Visum ist genehmigt." - Juhu! Das ging leichter, als wir dachten. Damit ist es uns nun möglich, zehn Jahre lang maximal sechs Monate pro Jahr in den USA zu verbringen.

 

- Flugbuchung: Am 8. Oktober geht es mit Lufthansa über Frankfurt/Main nach Miami. Der Rückflug ist flexibel, da wir noch nicht wissen, wann wir zurückkehren werden.

- Buchung der ersten Übernachtung in der Nähe vom Miami Airport

- Buchung Mietwagen

- Buchung Apartment für die ersten Wochen

- Briefpost minimieren

Seit Juni ziert ein fetter STOP-Aufkleber unseren Briefkasten. Der verhindert tatsächlich sehr wirkungsvoll, dass Werbung und Stadtteilzeitungen im Kasten landen. Um die Flut von Info- und Werbepost einzudämmen, die an uns persönlich addressiert ist, haben wir den Absendern gemailt, dass wir keine Briefpost dieser Art mehr erhalten möchten. Und siehe da, auch das klappt: Der Briefkasten ist deutlich leerer, und fast alle haben bestätigt, dass sie unsere Adresse für Werbesendungen blockiert haben.

- Scanbox einrichten

In Berlin gibt es eine Firma, die per Nachsendeauftrag umgeleitete Post in Empfang nimmt. Die Post wandert dort in unser eigenes Postfach, und wir werden mittels Scan des Briefumschlages über jeden Posteingang per Mail informiert. Dann können wir jeweils entscheiden, ob der Brief geöffnet, gescannt und gemailt und/oder vernichtet/aufbewahrt/an die heimische Adresse geschickt werden soll.

- Organisation Wohnungssitting

- Antrag Intern. Führerschein

- Arztbesuche / Attest

Für den Zoll brauchen wir vom Arzt ein Attest auf englisch über Anzahl und Inhaltsstoffe der Medikamente, die dauerhaft eingenommen werden müssen. Für 180 Tage kommen da so einige Pillen zusammen.

 

 

- Auslandsreise-Krankenversicherung abschließen. Leider läuft die deutsche Krankenversicherung weiter, man kann sie nicht für die Zeit der Abwesenheit ruhen lassen.

- Tiefkühler leer futtern (da steckt ein Teufel drin, denn auf wundersame Weise füllt er sich immer wieder...)

- Winterreifen aufziehen lassen, falls wir vorzeitig zurückkehren

- Zählerstände Wasser und Strom ablesen und den Versorgern mitteilen

 

Uff, das meiste davon ist schon geschafft!

In Hamburg sagt man Tschüss

Sonntag, 28.09.2014

Am Donnerstag haben wir Arne und Ann-Kathrin verabschiedet. Sie gehen für ein Jahr nach Neuseeland, und all unsere guten Wünsche begleiten sie...

 

Auch von meinen geliebten drei "Spiel- und Trällertanten" habe ich mich verabschiedet. Sie haben mir ein Shirt mit einem Foto von uns vieren geschenkt - damit ich sie nicht vergesse. Wie könnte ich! Aber ich werde euch vermissen! Auch das Singen im Chor wird mir fehlen, und natürlich all die anderen Freunde. Aber in ein paar Monaten sind wir ja schon wieder hier! :)

 

Hurra, die Suche läuft...

Neil Young sucht vermutlich immer noch nach einem "Heart of Gold" , die Marshall Tucker Band fahndet nach einem Regenbogen , ich such öfter mal meine Brille - und wir zwei (Werner und ich, nicht meine Brille und ich) begeben uns auf die Suche nach einem kleinen Apartment in Southwest Florida, frei nach Werners Motto: "Ich will keine kalten Winter mehr!"

 

Im Visier haben wir die Westküste am Golf von Mexico von St. Petersburg im Norden bis Fort Myers im Süden, die beschaulicher und landschaftlich reizvoller ist als die Ostküste am Atlantik. Der Unterschied ist in etwa so wie der von der "lieblichen" Ostsee- zur raueren Nordseeküste.

Und hier sitzen wir nun und gucken uns Fotos von Apartments an, lesen die Beschreibungen, googeln die Adressen und werden immer gespannter darauf, ob die Angebote letztlich vor Ort wohl das halten werden, was sie virtuell versprechen. Es sind keine zehn Tage mehr bis zu unserem Abflug...

 

Der Countdown läuft

Dienstag, 07.10.2014

Wer hätte das gedacht? Am Anfang unserer Reisevorbereitungen waren wir sehr motiviert nach dem Motto "Es gibt viel zu tun, packen wir's an", später kam dann die "Hilfe!-Es-wird-immer-mehr-statt-weniger!"-Phase, und heute *Tusch und Konfetti* können wir vermelden:

Wir sind tatsächlich fertig geworden!

Der Garten an der Ostsee hat seinen Winter-Schnitt bekommen

 

Die Reisetaschen sind gepackt

 

und gute Wünsche begleiten uns. Diese hier stehen stellvertretend für alle

 

Die To-Do-Listen sind abgearbeitet … trotz manch schwerer Nüsse, die zu knacken waren :D

 

 Jetzt müssen wir nur noch Last-Minute-Dinge erledigen, wie z. B. den Kühlschrank abtauen. Heute abend bringen wir dann schon mal die Koffer zum Flughafen und erledigen vorab das Check-In, damit wir morgen früh nur noch durch die Sicherheitskontrollen müssen. Und dann heißt es: We are Leaving on a jet plane

Jetzt noch ein Spruch, und in 19 Stunden geht es los...

"Der Sinn des Reisens besteht darin, unsere Vorstellungen der Wirklichkeit anzugleichen, und anstatt zu denken, wie die Dinge sein könnten, sie so zu sehen, wie sie sind." (Samuel Johnson, englischer Autor, 1696 - 1772)

"You never know until you try" (Helga)

 

Wir sind angekommen

Samstag, 11.10.2014

Hallo, Ihr Lieben, wir grüßen euch schwitzend aus Sarasota, Florida. Es ist 16 Uhr nachmittags und die Außentemparatur liegt bei irgendwas über 30 Grad.

Nach einem ruhigen Flug am Mittwoch verlief auch die Immigration problemlos (Werner: "Der Beamte sah aus wie Denzel Washington"). Ich traute mich erst, als wir durch waren, auf den Stempel mit der Aufenthaltsdauer zu gucken, denn in den USA ist es so, dass der Beamte am Schalter das Recht hat, den Zeitraum des Aufenthalts zu bestimmen. Unser Visum gilt maximal 180 Tage, aber es ist theoretisch möglich, dass uns nicht die volle Zeit gewährt wird. Aber alles war ok, wir können bis Anfang April hier bleiben, wenn wir wollen. (Werner: "Jetzt sind wir Free Birds - Gruß an Anita, weil sie den Song so mag)

Mit dem Hotel Shuttle Bus ging es zum Miami Hilton Airport Hotel. Der erste Song auf amerikanischem Boden war Money for nothing - hoffentlich kein Omen! ;-) .

Mein Ohrwurm des Tages war aber Welcome to Miami

    

Am Donnerstag holten wir unseren Mietwagen ab und fuhren Richtung Golfküste. Es ging 100km auf schnurgerader Straße mitten durch die Everglades. Links und rechts von uns Wildness. In der Luft flogen Adler, der Wappenvorgel der Vereinigten Staaten, und wir sahen Kormorane am Wegesrand. Das ganze Gebiet ist ein einziger Wasserlauf/Sumpf, auf den man Straßen und Wege geschüttet hat. Alle paar Minuten fuhren wir über eine flache Brücke, unter der das Wasser fließen kann.

     on the road again ;)

 

Schließlich erreichten wir unser Domizil für die nächsten fünf Wochen.

    Unser Apartment links hinterm Baum Pool

 

Am Freitag wachte ich mit dem Song Good morning America, how are you im Ohr auf. Es lockten Sonne und Wasser, und so machten wir uns vormittags auf den Weg zum öffentlichen Strand auf Siesta Key, einer vorgelagerten Insel. Puderzuckerfeiner Sand und kristallklares, strahlend blaues Wasser (29 Grad) empfing uns.

      Baywatch Der Strand

Zurück im Apartment war erstmal Pool-Time angesagt, dann notierten wir uns die Adressen von Makler-Angeboten und fuhren sie der Reihe nach ab. Einige Condos (Apartments) erwiesen sich von der Umgebung her als ungeeignet, bei anderen sagte uns die Anlage nicht zu. Übrig blieb ein Objekt, das wir uns nächste Woche von der Maklerin von innen zeigen lassen wollen.

Abends dann bummelten wir auf einer anderen vorgelagerten Insel namens St. Armands Key. Schicki-Micki-Gegend, teure Läden, Gucci und Ver-rutschi, dicke Autos, alte, teils tatterige Männer mit jungen dürren, gelangweilt dreinschauenden oder in Endlosschleife plappernden Frauen. Die Normalos wie wir schwankten bei deren Anblick zwischen Belustigung und leisem Grauen.

 

Spaß hat der Bummel auf jeden Fall gemacht.

 

Heute ist Samstag. Faulenzen, sonst nichts. Euch einen schönen Sonntag!

Werner und Helga

 

P. S. Alle Fotos in diesem Blog lassen sich anklicken zum Vergrößern

Columbus Day

Dienstag, 14.10.2014

Gestern war Montag, ein Feiertag: Columbus Day. Der Tag zu Ehren von Christoph Kolumbus, der 1491 die "Neue Welt" entdeckte und damit, wie die Zukunft zeigen sollte, bedauerlicherweise das Ende der Kultur der Ureinwohner, der Indianer, einläutete. Wer mehr wissen möchte: Tante Wiki weiß Bescheid. Wir waren zweimal ausgiebig im Pool, der trotz des Feiertages leer war. Überhaupt macht es den Eindruck, dass die Leute, die hier Urlaub machen, sich höchstens mal bis zur Taille ins Wasser begeben. Obenrum sind sie mit dem Handy beschäftigt oder hören Musik.   Am Abend flanierten wir die Main Street rauf und runter - und entdeckten Mattison's, ein Lokal mit Live-Musik, das wir sicherlich in den nächsten Tagen oder Wochen besuchen werden. In den Gehsteig sind hier und da bunte Kacheln mit Darstellungen von Flora und Fauna eingelassen.

Sarasota Main Street 

Der Wetter Channel hatte Gewitter für die Region angesagt, und tatsächlich türmten sich zunehmend dunkle Wolken am Himmel auf. Dabei war es immer noch 26 Grad warm. Aber erst nach Sonnenuntergang, den wir in einem Park in der Nähe des Hafens betrachteten, begann es heftig zu regnen.

  

St. Pauli und Dirndl in einen Pott bzw. auf einer Flasche zu vereinen gelingt auch nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten:

St. Pauli meets Dirndl

Heute gibt es ein erstes Treffen mit der Maklerin in Fort Myers.

Viele liebe Grüße

Helga und Werner

Condo-Suche Teil I und Einblicke in Floridas Fauna

Freitag, 17.10.2014

Hi guys, zunächst mal vielen Dank für eure Kommentare. Auch wenn wir nicht alles beantworten: Wir freuen uns über jeden Eintrag und lesen mit Freude, was ihr so macht und wie es euch geht.

Bevor wir morgen den zweiten Condo-Besichtigungstag haben, sei hier erst einmal nachgetragen, wie das erste Treffen verlaufen ist. Unsere Maklerin Monika Wilson empfing uns in ihrem Büro in Cape Coral. Ich "kannte" sie bereits seit Jahren aus ihrem Blog, aus dem wir uns bereits in Deutschland viel Wissenswertes über den Immobilienkauf in Florida angelesen hatten. Monika ist vor mehr als 20 Jahren von Deutschland nach Florida ausgewandert. Nach einer herzlichen Begrüßung beantwortete sie alle Fragen, die wir vorab zur Abwicklung eines eventuellen Kaufs und den damit zusammenhängenden Dingen hatten. Hier in USA zahlt übrigens der Verkäufer den Makler, ebenso fast alle anderen mit dem Verkauf zusammenhängenden Kosten und Gebühren. Monika hatte sechs Objekte in Cape Coral und North Fort Myers für uns vorbereitet. Alle hatten zwei Schlafzimmer und zwei Bäder (in USA ist es üblich, jedem Schlafzimmer ein Bad oder wenigstens ein  Gästebad zuzuordnen), sie waren alle groß, manche waren möbliert, manche leer, und gleich das erste haute uns um. Tor mit elektronischer Öffnung, wunderschöne Anlage, alles supergepflegt und großzügig, dicke Teppiche, hohe Decken, Baujahr 2004, einiges mehr als hundert Quadratmeter. Hier ein paar Impressionen:

  Toreinfahrt    Wohnbereich Pool

Weitere Besichtigungen folgten - Wohnungen, Townhouses (vergleichbar mit unseren Reihenhäusern), einzelne Häuser, von Baujahr 1981 bis 2007. Hier ein paar Fotos querbeet:

        3_SZ1        5 P5    

Die Preise lagen alle über unserem Maximum. Aber hier laufen Immobilienkäufe so ab, dass man nicht unbedingt den genannten Preis akzeptiert, sondern ein Angebot abgibt. Hat man Glück, geht der Verkäufer darauf ein. Ist er nicht einverstanden, oder gibt es jemanden, der mehr bietet, dann hat man Pech gehabt. In das dritte Objekt hatten wir uns schockverliebt, und am Ende der Tour waren wir so euphorisch, dass wir es fast genommen hätten. Aber wir machten uns dann doch klar, dass wir mehr an die Reserven hätten gehen müssen, als gut fürs Portemonnaie gewesen wäre, denn die Wohnung war unmöbliert, und Kühlschrank, Waschmaschine, Herd und Backofen fehlten ebenso - und ein Auto brauchen wir hier ja auf Dauer auch noch!

Es war aber auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, Einblick in verschiedene Haus- und Wohnstile zu bekommen, und wir freuen uns auf morgen. Dann sehen wir uns Objekte an, die eher unserem Budget entsprechen, nur ein Schlafzimmer haben und in Fort Myers liegen. Wir sind echt gespannt. Einige Anlagen haben wir schon von außen angeschaut, umso interessanter wird es, sie von innen zu sehen.

Auf dem Weg zeigte Monika uns noch das Nest von Ozzie und Harriet, einem Adlerpaar, das jedes Jahr hoch in einem Baum (im Foto hier nur zu erahnen) sein Nest baut und Junge aufzieht:  Nest von Ozzie und Harriet

EIne Webcam hat Ozzie und Harriet letztes Jahr begleitet, Fotos gibt es hier.

Auch auf eine Prärie- (oder Erd-)Eule, auch Kaninchenkauz genannt, hat Monika uns aufmerksam gemacht:

  Prärieeule2 Prärieeule

Diese zarten Eulen sind überhaupt nicht scheu, denn sie werden von den Floridianern geliebt und geschützt. Sie sind Bodenbewohner, und man kann ganz dicht an sie heran gehen. Sie bauen Erdnester, die von den Menschen hier mit kleinen Kreuzen markiert werden, damit man sie nicht übersieht und beschädigt (das Nest, das wir gesehen haben, war direkt an einer Straße). Und wenn jemand so ein Nest im Garten hat, dann mäht er in einigem Abstand drumherum, egal, wie lang es dauert und wie dann der Garten aussieht. Wer mehr wissen möchte: Tante Wiki weiß Bescheid.

Heute waren wir in Tampa bei - nicht lachen - IKEA. Die amerikanischen Möbelhäuser sind nämlich echt gewöhnungsbedürftig, die Möbel gern klobig und dunkel, und sie erinnern stark an "Gelsenkirchener Barock". IKEA hat hier einen etwas anderen Sortimentsschwerpunkt als in Deutschland, z. B. gibt es viel mehr Barstühle, weil amerikanische Küchen oft einen Bartresen haben. Und es werden kaum Schränke angeboten, denn hier hat man in jedem Schlafzimmer einen eingebauten Schrank, der manchmal sogar begehbar ist. Ich bin noch nie bei IKEA gewesen, ohne etwas zu kaufen, und so war es auch diesmal. Eine echte Investition in die Zukunft: Ein flexibles Maßband mit Anzeige von sowohl Meter/Zentimeter als auch Foot/Inch!

 

Auf dem Rückweg besuchten wir noch schnell St. Petersburg :D. Davon ein anderes Mal mehr. 

Bye bye for now!

 

Free Birds

Samstag, 18.10.2014

Hier muss Champagner in der Luft liegen. Oder es ist irgendetwas anderes, das uns bodenständige Norddeutsche gestern verleitete, nicht noch einmal eine Nacht über eine wichtige Entscheidung zu schlafen, wie wir es sonst immer tun. Aber von vorn: Wir trafen Monika mittags zu unserer zweiten Condo-Besichtigungstour. Diesmal war die Ausbeute an passenden Angeboten geringer. Der Markt ist zum einen schon leerer gefegt als erwartet, zum anderen ist die Menge von 1 Schlafzimmer/1 Bad-Wohnungen ohnehin nicht sonderlich groß. Wir hatten drei Condos zur Auswahl. Zwei lagen in schöner Umgebung, hatten aber innen nicht den Wohlfühlcharakter, den wir uns gewünscht hätten. Das dritte war eine supertoll geschnittene, schick eingerichtete Wohnung in einer großen Wohnanlage. Nach kurzer Überlegung haben wir für dieses Condo ein Angebot inkl. Mobiliar abgegeben. Wenn ihr die Fotos seht, versteht ihr vielleicht, warum: 

  Küchenzeile Küchenzeile1    Wohnzimmer2 WZ   Schlafzimmer   Bad1  Durchgang zum WZ vom SZ   Condo Veranda unten   Pool 

Danach genossen wir den "Catch of the day" (Zackenbarsch) in einer Tiki-Bar im Yachthafen von Cape Coral. Eine 2-Mann-Band spielte Songs von den Eagles, unter anderem Peaceful, easy feeling , das mir schon seit Tagen durch den Kopf wandert.

Tiki-Bar Cape Coral Yachthafen Tiki-Bar 2 Tiki-Bar

Heute morgen wachten wir mit gemischten Gefühlen auf. Wir waren gestern noch ein zweites Mal in der Umgebung des Condos herumgefahren und hatten uns umgesehen. Und das war es, was uns im Nachhinein nicht gefiel: So toll die Wohnung war, und so schön die Gartengestaltung des Innenhofs der Anlage ist, es wollte sich einfach nicht das Florida-Holiday-Feeling einstellen. Die Umgebung ist einfach zu städtisch. Monika hatte uns gesagt, dass der Markt nicht mehr hergibt. Wir sind zu spät dran. Nach kurzem Brainstorming zogen wir unser Angebot zurück. Und sind jetzt zufrieden mit der Entscheidung. Jetzt sind wir wirklich "Free Birds". Wir genießen die Sonne, den Pool, den Florida Lifestyle und bleiben hier, bis uns was Neues einfällt. Dann ziehen wir weiter.

Noch was Lustiges am Rande: Eine hölzerne Außentreppe führt zu unserem Apartment hier in Sienna Park. Gestern abend klebte ein Zettel an der Tür:

Staircase-Replacement

Ich weiß nicht, ob man es auf dem Foto lesen kann: Man baut Montagmorgen ab 8 die Treppe ab und baut bis nachmittags 17 h eine neue ein. Also heißt es Wecker stellen, weil wir lieber out als in sein wollen :D :D

Demnächst mehr vom Leben hier in diesem großen, weiten Land. Profane Dinge wie Wäschetrocknen, Autofahren, Essen gehen wollen ja auch noch beschrieben werden.

Grüße von

den Floristen

 

P.S. Thanks to Alt&Friends for your support! Wie toll, dass es das Internet gibt...

 

Tampa und St. Petersburg

Mittwoch, 22.10.2014

Da sind wir nun gestern um 7 Uhr aufgestanden, haben um kurz vor acht das Haus verlassen, einen ganztätigen Ausflug gemacht und waren erst nach 17 Uhr wieder zurück. Und was war? Nix war, nicht mal eine Treppenstufe oder ein Nagel wurde erneuert.

Vorher                                        Nachher

Vorher                                                       Nachher

Am Wochenende waren wir bei Sonnenuntergang am Strand. Dort fand gerade eine Hochzeit statt (Mit dem Handy ließen sich leider keine besseren Aufnahmen machen)

     Hochzeit am Strand2

 

Direkt neben der Straße stand auf dem Weg zum Strand eine Barbecue-Hütte, in der mit 60er-Jahre-Musik gefeiert wurde.

      

Hier ein paar Eindrücke von Tampa

Tampa1     

   

Die Sunshine Skyway Bridge - Werners "drittliebste" Brücke:

Foto von en.wikipedia.org     Sunshine Skyway Bridge    

Ein Ufo ist gelandet Ein Ufo?

....Und St. Petersburg:

          Mülltrennung            Zeitungsjunge2      Seltsamer Geselle vor einem Laden

                      Cola 1 Dollar Blick auf Yachthafen frei          Hops and Props The Pier EKZ z. Zt. geschlossen                                  

Die Stiche der Sandfly sind fies, sie schwellen an und jucken fürchterlich (Grüße an AK). Ich habe mindestens zehn davon an den Beinen, Werner hingegen nicht einen einzigen. Die Welt ist ungerecht. Und jetzt gehe ich meine Insektenstiche pflegen *schnüff*...

 

Es grüßen vier Füße

Es grüßen / Vier Füße

 

 

 

Andere Länder, andere Sitten

Donnerstag, 23.10.2014

Hallo ihr Lieben,

holldrio, die Treppenstufen sind da!

Heute mal auf die Schnelle ein paar Einblicke in amerikanische Sitten und Gebräuche, die von den deutschen Gewohnheiten zum Teil erheblich abweichen:

Essen gehen

Am Eingang steht meistens ein Schild

Man wartet dort, bis man an einen Tisch geführt wird. Aber auch, wenn kein Schild zu sehen ist, sollte man einen Moment warten, bis jemand kommt, der einen an einen Tisch führt (oder sagt, dass man sich setzen kann, wo man möchte). Hintergrund ist offenbar eine gleichmäßige Verteilung der Gäste auf die Kellner, die überwiegend vom Trinkgeld (20%) leben. Die Bedienung stellt sich mit Namen vor, z.B. so: "Hi, how are you. I am Jenny and I am your server tonight."                                                                      Oft wird unaufgefordert ein Glas oder ein Krug mit Eiswasser serviert - eine Sitte aus alten Zeiten, als Menschen und Tieren nach langer Reise auf staubigen Straßen erst einmal Wasser gegen den größten Durst gereicht wurde.So gut wie alle Restaurants schenken Softdrinks nach, man bezahlt nur für das erste Glas (im Diner bekommt man soviel Kaffee nachgeschenkt, wie man möchte).

Beim Essen wird nur die Gabel benutzt, nachdem man alles in mundgerechte Stücke zerteilt hat. Die andere Hand liegt im Schoß oder neben dem Teller auf dem Tisch - Ebenfalls ein Relikt aus den Tagen des "Wilden Westens", als man immer eine Hand am Colt hatte :D. Sich nicht aufgegessenes Essen für Zuhause einpacken zu lassen, gilt als völlig normal.

Bunt draußen ... VW Bully drinnen

Bunt draußen...                                            VW Bully drinnen (der steht da wirklich mitten im Lokal)

Das Essen im Restaurant dient hierzulande mehr der Nahrungsaufnahme als dem zwanglosen Beisammensein mit Essen und stundenlangem Sitzen hinterher. Nach dem Essen wird man gefragt, ob man noch ein Dessert oder Getränk haben möchte, dann wird zügig die Rechnung gebracht. Zum Plaudern und Trinken bleibt man nicht am Tisch sitzen, sondern geht an die Bar. Schade eigentlich, ich finde gerade diese europäische Um-den-Tisch-sitzen-und-essen-und-klönen-und-trinken-und-klönen-undsoweiter sehr angenehm. (Werner:) Wenn das Lokal nicht voll ist, bekommt man den Hinweis, dass man sich Zeit lassen kann, bevor man geht.

Auto fahren

Gewöhnungsbedürftig ist, dass man hier rechts überholt wird auch rechts überholen darf. Die Straßen sind breiter als in Deutschland, oft vierspurig, und insgesamt wird gelassener, ruhiger gefahren. Die Ampeln hängen direkt über der Kreuzung. Angenehm ist, dass vorher angezeigt wird, welche Straße als nächstes kreuzt. Auch wird an jeder Kreuzung der Straßenname der Straße, die man kreuzt, angezeigt.

          Beneva Road an der nächsten Ampel

So muss man nicht mühsam nach versteckt angebrachten Straßenschildern suchen. Naja, in Navi-Zeiten ist das wahrscheinlich nicht mehr so wichtig. Rechtsabbiegen ist in der Regel auch bei roter Ampel erlaubt.

Unser Feriencondo liegt in einer Apartmentanlage in der Nähe einer siebenspurigen Straße. Um zu "unserem" Supermarkt zu gelangen, müssen wir sie überqueren, und das gelingt erstaunlicherweise gut, sowohl zu Fuß als auch mit dem Auto. Die mittlere Spur ist für beide Fahrtrichtungen zum Abbiegen und zum Einfädeln benutzbar, und der Fußgänger kann dort einen Stop einlegen, wenn die anderen Fahrbahnen nicht frei sind. Sehr praktisch.

Ich habe übrigens gleich bei meiner ersten Fahrt auf amerikanischem Boden zwei Vollbremsungen hingelegt. Unser Mietwagen hat, wie fast alle Autos hier, ein Automatikgetriebe. Man muss also nur Gas geben und bremsen, der linke Fuß hat Pause. Leider habe ich ganz automatisch die Kupplung treten wollen - und bin in Ermangelung einer solchen voll auf die Bremse gestiegen.                              Manchmal gibt es Kreuzungen mit Stopschildern an jeder einmündenden Straße. Dort gilt das Prinzip "Wer zuerst kommt, darf zuerst wieder losfahren." Es zwingt alle zu Aufmerksamkeit und klappt super. Wenn ein Schulbus Blinklichter eingeschaltet hat, darf niemand überholen. Auch nicht, wenn der Bus steht. Niemand verletzt diese Regel. An Baustellen, ob auf Autobahnen oder in der Stadt gibt es häufig keine besonderen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Allerdings weisen Schilder darauf hin, dass bei Geschwindigkeitsübertretung doppelt hohe Strafen fällig werden, wenn auf einer Baustelle Arbeiter tätig sind. Ansonsten ist der Schilderwald so groß wie bei uns, wenn nicht größer.                               (Werner:) Übrigens, in Teilen der USA waren schon 1974 Abgaskatalysatoren (damals noch ungeregelt) vorgeschrieben. Bei uns begann die Einführung von Kats 1984, ab 1989 wurden sie Pflicht.

Autos fahren, Vögel fliegen, und an den Straßen sieht man auch Schilder wie diese:

Birding Trail

Der Great Florida Birding Trail ist ein floridaweit fast 500 Orte umspannendes Netz, in denen die Lebensräume der Vögel (514 Arten) geschützt werden. Es umfasst Vogelbeobachtung, Umweltschutz und Ökotourismus.

Wäsche waschen

Das Waschen hier erinnert mich an Waschtröge aus alten Zeiten, als man die Wäsche einfach in heißem Wasser versenkte und dann rührte, bis der Arm lahm war. Die Waschmaschine ist ein schlichter Metallkasten. Wenn man den Deckel öffnet, sieht man in ein Loch, in dessen Mitte eine Art Quirl sitzt.

Waschmaschine und Trockner               Waschmaschine von innen

Wäsche 'rein, Waschmittel draufstreuen/-gießen, Deckel zu, Kalt/Mittel/Heiß wählen und los geht es. Und was soll ich sagen? Sie wäscht! Sie wäscht leise! Sie wäscht schnell! Und das Beste: Die Wäsche wird sauber! - ganz ohne Feuchtemessung-2,5-Stunden-Schonprogramm-Thermo-Trommel-Schaumregulierung-Wellness-Outdoor-Silk-Wolle-Gardinen-Dosierung-Flüster-iQdrive-Motor und was es nicht sonst noch alles so gibt für das perfekte Waschvergnügen …

Lichtschalter

Die Lichtschalter sind auch gewöhnungsbedürftig. Man sucht sie am Kabel - nichts ist zu finden. Man sucht sie am Lampenfuß - auch nichts. Man tastet sich zur Glühlampenfassung hoch (sehen kann man ja nichts, es ist ja dunkel, oder der Schirm ist davor) - und wenn man lange genug 'rumsucht und es nicht gerade ein Heute-gelingt-mir-gar-nichts-Tag ist, ertastet man irgendwann eine Art Nagel mit einem Rädchen am Ende, an dem man zum Ein- und Ausschalten drehen muss - immer in dieselbe Richtung.

Ach ja, und zu guter Letzt: Sich in der Öffentlichkeit die Nase zu putzen ist absolut verpönt, ebenso das Aufhängen von Wäsche (auch Badetücher) auf dem Balkon.

Mehr von uns, Land und Leuten und auch zur Condo-Suche demnächst - die Luft ist noch immer voller Champagner, aber wir sind inzwischen voll akklimatisiert und bewahren einen kühlen Kopf. :D

Es grüßen (wir hören von Ferne das Herbstlaub bei euch rascheln)

die Floristen

 

"You never know until you try" Condo-Suche und Alltägliches

Dienstag, 28.10.2014

Nach all den "Trockenübungen" zuhause - siehe Eintrag In Hamburg sagt man Tschuess - sind wir hierher geflogen, um im wahrsten Sinne des Wortes zu "sehen", ob die Realität mit unseren Vorstellungen und Wünschen vereinbar ist. Dafür hatten wir fünf Wochen angesetzt.

- Fünf Orte (Bradenton, Sarasota, Port Charlotte, Fort Myers und Cape Coral) hatten wir für unsere Condo-Suche auserkoren, die letzten beiden kannten wir gut von früheren Besuchen.

- Mit drei Maklerinnen, alle deutschsprachig, haben wir Kontakt aufgenommen.

- Ca. vierzig Objekte standen zur Auswahl.

- Port Charlotte schied gleich zu Beginn aus, weil dort außer Golfspielen nichts los war.

- Ca. 15 weitere fielen aus anderen Gründen aus (Lage, Umgebung, Zustand der Wohnanlage, Entscheidungsverzögerungen durch mehrere Gläubiger auf Verkäufer-Seite).

- Ca. 15 haben wir uns angesehen.

- Drei blieben übrig

- Eins fand ich ganz schön - Ort (Cape Coral), Lage - nicht weit zum Yachthafen und zum öffentlichem Strand, zwei Schlafzimmer, Balkon, Küche nicht offen zum Wohnzimmer.

- Das gefiel Werner nicht (weil zu alt und Pool an der Straße)

- Eins fand Werner ganz schön - vor allem die Anlage (sehr gepflegt, Riesenpool, großer Balkon), geräumiges Wohnzimmer und Schlafzimmer.

- Das gefiel mir nicht (Küche offen zum Wohnzimmer, es müffelte irgendwie, es war mir nicht hell genug)

- Für eins haben wir ein Angebot abgegeben und wieder zurückgezogen - siehe Free Birds

- Mit der Entscheidung sind wir noch immer zufrieden. Die Lage war nicht gut genug, und später haben wir erfahren, dass wir einen Mitbewerber hatten, den wir hätten überbieten müssen (wir hätten zwar das Vorrecht gehabt, weil wir die ersten waren, aber bei dem Preis wären wir ausgestiegen). Außerdem wollte der Verkäufer die schönen und charmanten Kleinmöbel, die gerade den Pfiff der Einrichtung ausmachten, nicht mitverkaufen.

- Laut übereinstimmender Aussage der Maklerinnen wird es immer schwieriger, in unserer Preislage etwas Geeignetes zu finden. Der Immobilienmarkt erholt sich zusehends, es werden weit weniger Objekte angeboten als noch vor ein, zwei Jahren. Das, was wir gesehen haben, ist das, was der Markt noch hergibt.

Alles in allem ist es nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Schade, aber wer weiß - manchmal kommt noch etwas, wenn man schon gar nicht mehr damit rechnet. Alternativ arbeiten wir an Plan B: Zwei, drei weitere Monate hier in Florida stehen dabei auf unserer Wunschliste ganz oben.

Hier noch ein paar Alltäglichkeiten unseres gegenwärtigen Lebens:

- Heute waren 33 Grad Celsius - Die Nächte werden "frisch", d. h. die Klimaanlage (eingestellt auf 25 Grad C) arbeitet nachts nicht mehr.

- Bei Autofahrten ist die Klimaanlage auf voll Power eingestellt, dann wird es um die Füße herum schon mal frisch

Der ungeheizte Pool kühlt durch die niedrigeren Nachttemperaturen ab - es ist jetzt 23:30 h und draußen sind 20 Grad C - und beschert uns Wikinger-Nachkommen tagsüber ein erfrischendes Bad. Die hier Ansässigen gehen allerdings jetzt nicht mal mehr bis zur Taille 'rein

- Man sieht hier deutlich mehr Kinder als bei uns. Und Kinderkrankenhäuser haben bunte Dekorationen an der Fassade

- Hundebesitzer sind hier wie überall auf der Welt - manche sammeln die Häufchen ein, manche nicht.

- Es gibt noch nicht einen einzigen Hinweis auf Weihnachten im Supermarkt unseres Vertrauens.

- Wildfremde Leute sprechen einen hier häufig mal an, einfach so: "Ihre Kette sieht hübsch aus", "Es sitzt sich gemütlich da auf der Bank, oder?" "Ist das nicht ein schöner Tag heute?" "Oh, wo haben Sie das Glas Rotkohl gefunden?" oder einfach: "Hi guys, genießt den Tag." Es bedeutet nichts weiter, aber es zaubert ein Lächeln auf's Gesicht und verschönt den Tag ein bisschen.

In Kürze gibt es wieder mehr Fotos. Heute war es etwas textlastig, und als einziges Foto so olle Füße in Sandalen sind ja auch nicht so dolle  :D...

Allerliebste Grüße an euch alle... Wir gehen jetzt ins Bett, und ihr wacht schon bald auf.

Have a nice day and a smile on your face!

What you get is what you see

Samstag, 01.11.2014

Hallo nach Germany! Wir waren tagsüber in den letzten Tagen viel unterwegs, und abends ist hier öfter mal das Internet "down", daher können wir neue Einträge nicht immer dann in den Äther schicken, wenn wir es gern hätten. Die Condo-Suche ist vorbei. Nachdem uns ein Objekt, das wir schon besichtigt und auf Eis gelegt hatten, vor der Nase weggeschnappt worden war, hatten wir gestern noch eine weitere Besichtigung. Unsere letzte, wie wir nun endgültig entschieden haben. Wie bei den anderen Condos stimmte am Ende auch hier das Gesamtpaket nicht.

Removal

Hier in Sienna Park fanden wir am Montag einen weiteren Zettel an der Tür vor: 

Erst die Treppe, jetzt die Bäume, und dann?

Nachdem sie unsere alte Treppe "removed" hatten,sollten nun die schönen Bäume am Parkplatz entfernt werden.

Danach sah es so aus 

  Nachher

Warum das nötig war, wissen wir nicht. Werner vermutet, sie könnten einem Hurrican nicht standhalten. Tante Wiki sagt, diese Bäume dienen zur Entwässerung feuchter Standorte. Sie haben keine natürlichen Feinde und verwildern oft. Im südlichen Floridas haben sich die bis zu 25 m hoch werdenden Bäume besonders stark ausgebreitet. Mal sehen, was nächste Woche "removed" wird...

Botanischer Garten

Hier in Sarasota gibt es einen Botanischen Garten, in dem wir kürzlich ein paar schöne Stunden verbracht haben. Die Marie Selby Botanical Gardens zeigen nicht nur wunderschöne, seltene Pflanzen, sondern befassen sich auch mit Forschung und erweitern Sammlungen, insbesondere Orchideen und Bromelien sowie deren Ökosysteme. Marie Selby und ihr Ehemann, ein Öl-Tycoon, hatten keine Kinder. Marie überlebte ihn, und bevor sie starb, gründete sie eine Stiftung zur Erschaffung und Pflege eines Botanischen Gartens auf dem Gelände rund um ihr Haus. Die Anlage sollte der Öffentlichkeit zur Erbauung und künftigen Generationen zum Kennenlernen der Natur zur Verfügung stehen. Der Erfolg ist nicht zuletzt durch die vielen Freiwilligen möglich, die ehrenamtlich dort arbeiten, sei es bei der Pflege der Pflanzen oder bei Öffentlichkeitsarbeit usw. Das Engagement der Bürger ist groß, das haben wir hier schon öfter festgestellt.  

Verwunschen Koi-Teich Regenwald Wurzeln Gummibaum  auch hübsch - wie heißen die noch?   Ausblick an der Bayside Bonsai Ficus Hier kann man heiraten, oder Sandfly-Stiche kühlen

 

Ausflug nach Ocala

Am Sonntag haben wir einen Ausflug nach Ocala gemacht, der fünftgrößten Stadt Floridas. Wir waren schon öfter im Sunshine State, aber nach Ocala hatten wir es bisher nie geschafft. Auf der Fahrt dorthin sieht man Landwirtschaft, Farmen, die Waren direkt vom Hof anbieten, viele Pferde-Ranchen und noch mehr Grün.

Bauernland Regionale Produkte

Ocala ist eine Verwaltungsstadt, Hauptsitz des Marion County (County = eine größere Gemeinde im (Bundes-)Staat Florida).

Tankstellendach  

Der Name Ocala stammt vom mittlerweile ausgestorbenen Indianer-Stamm der Timucuan, die ihr Dorf Ocali nannten, was übersetzt so viel bedeutet wie "Große Hängematte". Die Straßen in Ocala tragen heute noch historische indianische oder spanische Namen (nach den ehemaligen Landbesitzern). Auf einer Rasenfläche im Zentrum der Stadt kann man die Geschichte Ocalas in Kurzform nachlesen:

Wir hatten Glück, denn es war gerade Kunstmarkt. Regionale Künstler boten ihre Werke zum Kauf an

Kunstmarkt1

und auf der großen Bühne vorm Rathaus sang eine junge Sängerin Bossa Nova-, Rumba-, Samba-Rhythmen und R&B.

Gegessen haben wir in einem alten Restaurant (von 1885). Die Karte verhieß Gerichte nach Südstaaten-Art. Wir wählten Fisch, und als Beilage bestellte ich "Collards", die Spezialität des Hauses. Aus reiner Neugier, denn ich hatte keine Ahnung, was das ist. Und ich bekam … Grünkohl! Er war ganz anders zubereitet, als wir es kennen, nämlich nicht so ellenlang gekocht, sondern etwas bissfester, in einem sehr würzigen, unter anderem nach Tomate und Ingwer schmeckenden Sud. Lecker!

 Rezeption Harry's Harry's New Orleans Kitchen and Bar Grille Fisch mit Collards_Grünkohl pikant

 

Alte TV-Serien und nostalgische Lieder

Kennt ihr noch die TV-Serie Gilligan's Insel? Im hiesigen TV wiederholen sie tatsächlich noch die alten Folgen. Jetzt warte ich nur noch auf "Tammy, das Mädchen vom Hausboot", eine Serie aus meiner Kindheit. Erinnert sich noch wer? Seit gestern habe ich den Titelsong wieder im Ohr: "Hörst du den Südwind, er flüstert dir zu: Tammy, Tammy mein Glück bist du". Hilfe! Wer gerade auch einen Nostalgie-Anfall hat: HIER  ist das Lied in seiner ganzen Schönheit zu hören. So, nun ist es aber gut. Ich fürchte, der Chor-Entzug bricht sich auf merkwürdigen Abwegen Bahn.

Fauna und Oldie

Während bei euch die Blätter fallen (oder sind schon alle weg?), hat hier gerade die Erdbeer-Ernte begonnen, und ein Schmetterling suchte sich kürzlich unser Auto als Rastplatz aus.

Butterfly

Überhaupt gibt es hier eine Menge Getier. Am Himmel kreisen Adler, überall flitzen kleine Echsen über die Gehwege, hinterm Haus lebt ein Gänsepaar, und Reiher staksen auf den Grünflächen herum.

 

Heute hüpfte ein kleiner Frosch in unseren Pool, und auf einer Straße sonnte sich eine Schildkröte. Das Tier anzufassen und von der Straße zu tragen, damit es nicht überfahren wird, sollte man sich lieber verkneifen, denn es handelt sich um eine gefährliche Schnappschildkröte

 

 Vorsicht, Schnappchen

Und noch ein Schnuckelchen,diesmal vom Supermarkt-Parkplatz:

Ein richtiger ... ... Oldie

 

Halloween

 Heute ist Halloween, und man sollte meinen, im Land der Halloween-Erfinder würden einem die Kids hier scharenweise die Bude einrennen, aber es ist nach 21 Uhr und bisher hat kein kleiner Geist geklopft und "Trick or Treat" gefordert. Ich finde Halloween ohnehin doof, besonders, weil wir nun auf einer halben Tonne Süßkram sitzen, die sich demnächst unweigerlich auf unseren Hüften niederlassen wird. Kennt eigentlich noch jemand von euch das gute alte Rummelpottlaufen? Da musste man wenigstens noch ein paar gereimte Sätze sprechen (und das in einer "Fremdsprache!"), und nicht nur drei knappe Wörter raushauen...

So, das war es für heute. Eigentlich wollte ich noch einen Text über unsere vergebliche Plattenladen-Suche anhängen, aber der ist im Festplatten-Nirvana verschwunden. Ein neuer folgt demnächst.

Viele liebe Grüße Werner und Helga (letztere heute leicht nostalgisch)

 

 

American Way of Life

Mittwoch, 05.11.2014

 

Heute kamen wir mit dem Mann an der Supermarktkasse ins Plaudern (es war gerade nichts los, und er kannte uns Germans schon). Als wir erklärten, dass wir an Halloween vergeblich auf Kinder gewartet haben und nun auf Bergen von Naschzeug sitzen, meinte er, man könne die Süßigkeiten ohne Weiteres an eine Schule, einen Kindergarten oder ein Kinderkrankenhaus geben, das sei durchaus üblich und dort sehr willkommen. Oder man zerkleinert alles, kauft ein paar Familienpackungen Eis, vermengt die Stückchen mit dem Eis und - der Mann hat Ideen! - schmeißt eine Nachbarschafts-Party mit allen Kindern und Erwachsenen. Uhh, Süßigkeiten im Eis, das ist uns viel zu viel, aber die Amerikaner mögen es gern. In den Tiefkühlschränken im Supermarkt gibt es jedenfalls reihenweise Eispackungen mit Kuchenstückchen, Karamellfüllungen, Smarties und ähnlichem drin. By the way... Man spricht hier nicht von Dicken, auch nicht, wenn sie richtig dick sind. Man sagt "Big" oder "big-boned" (grobknochig). Und im Lokal fragt man nicht nach der Toilette, sondern nach dem Restroom, in Privathäusern nach dem Bathroom oder - das finde ich besonders hübsch - nach dem Powder-Room, wo man sich dann aber meistens nicht die Nase pudert, sondern putzt (weil man das ja draußen nicht darf...)

Für Thanksgiving gab der Kassierer uns den Tipp, am Abend an den Strand oder zum Hafen zu gehen. Dort sei viel los, die Boote seien schön beleuchtet und es gebe ein Feuerwerk. Zum Abschluss unseres Klönschnacks fragte er, wie lange wir noch bleiben und zeigte dann auf Werners Hemd: "Er passt ja schon gut hierher, he's got the look".

Mich hat er gemeinerweise nicht erwähnt *schnüff*, aber ha! ich habe einen Plan... Morgen ziehe ich ein floridianisch-geblümtes, bodenlanges Hippie-Gedächtnis-Kleid und Flip-Flops an, setze einen breitrandigen Strohschlapphut und eine Riesensonnenbrille auf, wickele mir siebenunddreißig bunte Bändchen um die Handgelenke und haue drei Familienpackungen Kuchen-Sahne-Eis auf sein Laufband. Und dann wollen wir doch mal sehen, was er sagt... (Werner in seinem zweiten Hawaii-Hemd muss sicherheitshalber draußen bleiben, sonst stieht er mir wieder die Show...;-))

Hier ein Sammelsurium von Kleinigkeiten, die uns in den letzten Tagen ins Auge sprangen:

 

Im Land der Autofahrer gibt es ganz viele Bike Lanes. Wo es keine gibt, steht oft ein Schild: "Share the road with bikes" (Teilt die Straße mit den Fahrrädern). Wochentags sind verhältnismäßig wenig Leute auf Fahrrädern unterwegs, am Wochenende deutich mehr.

 

An den Fußgängerüberwegen sind überall rutschhemmende Fußmatten mit Noppen in den Boden eingelassen, damit Fußgänger bei Regen nicht ausrutschen. Dies ist ein besonders sonniges Exemplar. Meistens sind sie grau oder schwarz.

   und im Beton auf den Gehsteigen sind Muscheln, wo bei uns Steine sind :)

"A taste of Germany", das müssen wir nicht ausprobieren.


Begrenzung am Wegesrand, schlicht und schön

Wäsche auf dem Balkon trocknen gilt als verpönt, aber Berge von Spielzeug dort zu lagern stört nicht...

Jamaikan me crazy Jamaikan me crazy - hab ich erst nicht kapiert, aber wenn man es laut ausspricht, klingt es wie eine Slang-Version von "You're making me crazy".

  Ufff

EInladende Farben

Im Hinterhof gibt's was für funky "Soulisten"

 

Unsere Plattenladensuche ging heute in die dritte Runde, natürlich wieder ohne Ergebnis. 

Morgen müssen wir entweder früh das Haus verlassen oder bis ca. 11.00 Uhr drinnen bleiben, was uns dank gemütlichen Ausschlafens nicht schwer fallen dürfte. Der Grund ist, dass morgen die neuen, noch unbehandelten Treppenstufen ein zweites Mal gestrichen werden. Heute haben sie den Erstanstrich bekommen. Und da wir davon nichts wussten, haben wir die (fast trockene, aber eben nur fast) Stufen nach oben erklommen und dabei leichte Fußabdrücke hinterlassen. Auch 'ne Art von "Walk of Fame"!

Bye für heute!

Es grüßen nach Norden, Süden, Westen, Osten

Aloha-he  Eure Floridianer

Every Picture Tells a Story

Samstag, 08.11.2014

Moin nach Germany!

Heute vormittag waren wir bei gutem Wetter noch auf dem Wochenmarkt hier im Zentrum von Sarasota. Praktisch: Sollte beim Einkauf das Bargeld knapp werden, kann man an fliegenden Geldautomaten "frisches Geld" ziehen.

Markt in Sarasota     ATM

Heute nachmittag ist es grau und es regnet. Die Temperatur liegt bei 18 Grad C. Wie gut, dass ich mir vorgestern die passende Bekleidung für so ein Schietwetter gekauft habe ;-)

Für kalte Tage ;-)
Im Einkaufszentrum, hier "Mall" genannt, ging es auch schon recht winterlich zu. Die kleinen Eisprinzessinnen hatten jedenfalls ihren Spaß. Und wer vom Einkauf erschöpft ist, kann in der Lounge relaxen.

 kleine Eistänzerinnen       

Draußen war dann wieder schönstes Sommerwetter, und Werner war auch schon da und geleitete uns zurück gen Sarasota.

It's a Werner

Unterwegs sichteten wir das Vereinsheim der Zuckerbäckerinnung

        

und bogen noch kurz zum Strand ab, um den Sonnenuntergang zu betrachten

     

Der Vollmond beleuchtete unseren Heimweg

Vollmond

und dann war der Tag vorbei.

 P. S. Die Daunenjacke soll auf der Rückreise zum Einsatz kommen. Wir haben in New York einen Zwischenstopp und wollen ein paar Tage dort bleiben.

Happy Sunday euch! Es grüßen herzlich

die fröstelnden Floristen

 

Musik, Shopping und Vermischtes

Donnerstag, 13.11.2014

"Turn your radio on" - Wir hören beim Autofahren viel Radio. Der frequenzstärkste Sender hier in der Gegend bringt viel von amerikanischen Bands wie Journey, America, Little River Band, Boston, Doobie Brothers usw. Einen fast genauso breiten Raum nehmen europäische Sänger und Bands ein, Elton John und Rod Stewart sind ganz vorn dabei. Die Klamottenläden hingegen haben sich offenbar darauf geeinigt, dass die Rolling Stones den Verkauf ungemein ankurbeln, anders ist nicht zu erklären, warum so viel tolle Stones-Stücke hier laufen, während man durch die Kleiderständer-Reihen wandert.

Apropos Musik: Juhei, beim vierten Anlauf haben wir, eher zufällig, einen Plattenladen gefunden. Der Suche erster Teil begann im Internet. Eine Website nannte eine Adresse in der Nähe. Wir fuhren hin, sahen aber nur ein paar Möbel- und andere Geschäfte. Ich fragte einen Alt-Hippie, der auf einem Stuhl in der Sonne saß und mit seinem Laptop beschäftigt war. Er stutzte kurz, dann lächelte er erstaunt: "That's me!", als wäre ihm kurzzeitig entfallen, welchem Broterwerb er eigentlich nachging. Wir wurden in eine kleine Gasse zwischen zwei Geschäften geführt, wo er gemächlich eine schmale Tür aufsperrte, hinter der sich eine Art schlecht beleuchteter Schuppen verbarg.

Was ich von der Tür aus sah, ließ mich zwischen Belustigung und dem Wunsch, auf der Stelle "Danke und Tschüß" zu sagen, schwanken. Zwischen allerlei sich auf Tischen und dem Boden türmenden Mobiliar, Elektrogeräten und anderem Trödel führte ein schmaler Pfad auf eine Wand zu, an der ein paar Vinylplatten aufgereiht waren. Ich schwor mir, keinen Fuß in diese Bruchbude zu setzen, denn ich war sicher, dass alles um mich herum zusammenkrachen und ich aus dem staubigen Gerümpel nie wieder herausfinden würde.

Der Typ war echt nett. Es entspann sich eine kleine Unterhaltung, in der er erklärte, er verkaufe "Trash and Art", also Müll und Kunst. Vor dem Wort "Kunst" machte er eine (Kunst)Pause und schmunzelte belustigt (ich hatte nun schon länger in seine Augen geblickt und fragte mich, ob das noch Natur war oder ob er möglicherweise irgendwelche erheiternden Substanzen konsumiert hatte). Schließlich wollte er wissen, wonach wir suchen. Nach der neuen CD von P!NK zu fragen hatte sich schon auf den ersten Blick erledigt, hier gab es nichts, was nicht mindestens 30 Jahre auf dem Buckel hatte. Aber wir versuchten es mit einer amerikanischen Country Band aus der Region, der Florida Georgia Line. Er meinte, sie "vage, sehr vage" zu kennen, aber: "Ich verkaufe eher so das Zeug aus den 60ern und 70ern, meistens auf Vinyl." Tja, das dachten wir uns auch schon und traten den Rückzug an.

Ein paar Tage später entdeckten wir am Straßenrand dieses Geschäft:

            Sam Ash Music

Leider erwies sich Sam Ash Music als Laden für Musikinstrumente und -unterricht. Also wurde wieder im Internet geforscht ... und ich dachte so bei mir: Was waren das noch für Zeiten, als Virgin Music riesige Stores auf der ganzen Welt unterhielt (in Hamburg am Jungfernstieg, es ging ein paar Treppen 'runter und dann hinein ins Reich der Musik)... und wir wurden fündig: auf der Website von Barnes & Noble, einer amerikanischen Buchladenkette, gibt es eine große Rubrik "Music". Also fuhren wir flugs die Adresse der Filiale in Sarasota an, und da stand es in großen Lettern an der Fassade: "Music"

Drinnen gab es jede Menge Bücher und allerlei Geschenke-Schnickschnack, aber, ihr ahnt es schon: Wieder keine Musik. Vor einigen Tagen waren wir dann in einer Mall, und da war er plötzlich:

  for your entertainment

f.y.e. - diesen Schriftzug hatte ich von weitem schon öfter gesehen, aber mal ehrlich, dass das Kürzel für "For your entertainment" steht, darauf muss man erstmal kommen, oder? Egal, der Laden hatte jede Menge CDs, und wir erstanden neben den beiden zuvor genannten noch die neue von Stevie Nicks. An der Kasse kam ich (es war nichts los) mit dem Kassierer ins Plaudern und erwähnte unsere Odyssee. Er meinte darauf prompt: "Ja, das waren noch Zeiten, als es Virgin Megastores gab. Jetzt sind wir 'The last man standing'." Zum Abschied bekamen wir noch einen 10-Dollar-Gutschein, falls wir nochmal bei f.y.e. einkaufen. Überhaupt, Rabatte sind hier an der Tagesordnung, und bei vielen Einkäufen erhält man Gutscheine. Beim Winterjacken-Kauf gab es sechs (!) Bons: 5 Dollar Ersparnis bei einem Einkauf in Höhe von 25 Dollar, 10 bei 50, 25 bei 100 und so weiter.

Im Supermarkt unseres Vertrauens kann man ganz viele Waren deutlich reduziert bekommen, sofern man bereit ist, von den ohnehin meist schon Großpackungen gleich zwei, drei oder vier zu kaufen. Die Preise sind nicht so leicht mit deutschen Preisen zu vergleichen, denn hier gilt ja ein anderes Gewichtssystem (allerdings steht auf allen Packungen zusätzlich die Gramm/KG-Angabe). Ein paar Beispiele: Für eine halbe Cantaloupe-Melone haben wir umgerechnet ca. 1,20 Euro bezahlt, 2 Liter Limonade kosten 1,55, ein Stück Parmesankäse (klar, wird aus Italien eingeführt) war gut 7 Euro teuer. Bio-Vollmilch kommt auf 3,85 Euro für knapp 2 Liter, 600 g Bio-Tomaten 4,61 Euro.

Es gibt hier genauso viele Bio-Lebensmittel wie in Deutschland. Auffällig ist, dass gerade bei den Milchprodukten weit überwiegend Erzeugnisse aus der Region in den Regalen stehen. Gestern kam mein innerer Kalender mal wieder durcheinander, als ich sowohl Grünkohl als auch Spargel in der Gemüseabteilung entdeckte. Bemerkenswert für amerikanische Verhältnisse: Es gibt - im Gegensatz zu früheren Jahren - eine Backwarenabteilung mit knackigen Brötchen, die wirklich gut schmecken. Sogar Mohn und Sesam wird angeboten.

Apropos Einkaufen: Die Outlets hier sind genial. Meine geliebten Reebok-Boots, die ich seit Ende der 1980er Jahre trage und die es seit Ende der 1990er nicht mehr in Deutschland gibt, werden hier immer noch als Klassiker verkauft, und sie werden immer billiger.

Lieblings-Boots

Diesmal habe ich nur 62 Dollar bezahlt, also ca. 48 Euro. Allerdings sieht man, wie im Laufe der Jahrzehnte die Qualität unter chinesischer Billigproduktion leidet.

Gestern, am 11.11. war Veterans Day

An diesem Tag finden viele Gedenkfeiern zu Ehren aller Kriegsveteranen aus allen Kriegen, an denen die Vereinigten Staaten beteiligt waren, statt. In Washington z. B. gab es ein kostenloses Konzert u. a. mit Rihannah und Eminem. Großbritannien, Frankreich und Belgien feiern den Tag auch, dort heißt er Remembrance Day. Dazu passt diese Skulptur, an der wir öfter vorbeifahren, wenn wir in Sarasota unterwegs sind

    

Sie heißt: "Unconditional Surrender" (Bedingungslose Kapitulation). Vorlage war das berühmte Foto V-J Day in Times Square , das an dem Tag entstand, an dem der zweite Weltkrieg zu Ende war.

Aus der Rubrik "Kürzlich am Pool": Eine junge Frau versuchte, mit einer Hand telefonierend, in der anderen einen Riesenpappbecher und Lesestoff balancierend, das Schloss des Swimmingpool-Tors zu öffnen. Dabei, pardauz, geriet sie ins Straucheln und fiel auf den Allerwertesten. Ich war in der Nähe, und da ich sah, dass sie Mühe hatte sich aufzurappeln, fragte ich, ob ich helfen könne. Ihre Antwort: "No, I just fell on my ass." (Nein, ich bin nur auf meinen Arsch gefallen). Jo mei, da legst di nieder! Sympathisch fand ich, dass ein Mädchen aus einer Gruppe von Kindern, die im Pool tobten, gleich angelaufen kam und den berühmten, aus amerikanischen Filmen einschlägig bekannten Satz sagte: "Are you ok?" Mittlerweile ist die nicht schöne, aber wortgetreue Übersetzung "Bist du ok?" offenbar auch in deutschen Film-Produktionen angekommen. Wer weiß, vielleicht hat sie auch schon die Arzt-Serien erreicht. Der Herr Doktor zieht die Augenbrauen hoch und fragt den sich vor Schmerz windenden Patienten: "Sind Sie ok?"

 Apropos... Ich hatte eine Zerrung im Oberschenkel, vermutlich - ich hätte nicht gedacht, dass ich das nochmal von mir würde sagen können - von z u v i e l Bewegung (Wassergymnastik). Aber heute ist alles wieder picobello, und wir haben im Meer, das hier viel salziger ist als unsere Ostsee, gebadet - herrlich! Neben Werner ist ein Pelikan im Wasser gelandet.

Ach ja, und übrigens - das rosarote Haus vom letzten Eintrag war nicht von der Zuckerbäckerinnung (das sollte ein Scherz sein). Es handelt sich vielmehr um das Loews Don CeSar Hotel, ein Luxushotel, das im Jahr 1928 am Strand eröffnet wurde und als das Wahrzeichen von St. Petersburg gilt. Hier ein Foto von der Seeseite:

Puh, das war ein langer Text heute. Hope, you are ok!? Bis die Tage mal wieder, bleibt munter!

Eure Floristen

 

Orts- und Autowechsel, Co-op und Beach & Drums

Freitag, 14.11.2014

Unsere fünf Wochen hier in Sarasota gehen zu Ende, und mit ihnen der Zeitraum, den wir uns für die Wohnungssuche gegeben haben. Die Buchung für unser Apartment im Sienna Park läuft morgen ab, und dann ziehen wir weiter: Gen Süden nach Fort Myers Beach

Den Aufenthalt dort haben wir bereits von hier aus reserviert, denn schöne Orte sind schnell ausgebucht, wenn man Langzeit-Urlaub machen will, ohne ständig das Hotel wechseln zu müssen. Wir kennen es bereits von früheren Urlauben (@Margret und Horst: Wir wohnen im Best Western Beach Hotel neben dem Pink Shell, in dem wir damals gemeinsam waren) und wollen zwei Monate dort bleiben.

Als I-Tüpfelchen haben wir gestern beim Mietwagenverleih für nur knapp vier Euro Aufpreis pro Tag unseren bisherigen Ford Focus gegen einen Ford Mustang Cabriolet eingetauscht. Eigentlich wollten wir nur den Mietzeitraum für den Focus verlängern, aber Jim, der freundliche Herr von Alamo, bekam beim Ausfüllen der Formulare mit, mit welcher Begeisterung Werner die Fotos der Mietwagenangebote, insbesondere des Ford Mustangs, betrachtete. Es entspann sich eine kleine Unterhaltung, und Jim meinte mit einem verschmitzten Lächeln, er habe zufällig gerade einen Ford Mustang da, und für so nette Germans und so einen langen Buchungszeitraum könne er einen ordentlichen Rabatt gewähren (Natürlich vor allem wegen des langen Zeitraums, aber es zaubert einem ein kleines Lächeln auf's Gesicht, wenn ein Dienstleister nicht nur seine Arbeit tut, sondern sich ins Zeug legt und dabei noch ein freundliches Wort, eine kleine Schmeichelei auf Lager hat).

Was die Condo-Suche betrifft, so schaue ich zwar dann und wann noch nach Angeboten, allerdings eher halbherzig. Auf dem Markt tut sich nach wie vor wenig. Vor einigen Tagen entdeckten wir ein Co-op-Angebot. Eine Co-op ist eine Art Genossenschaft. Man kauft Anteile und bekommt dafür das Wohnrecht. Die Sache machte uns neugierig, also fuhren wir hin, um uns erst einmal die Umgebung und das Objekt von außen anzusehen. Die Umgebung erwies sich als gerade mal knapp mittelmäßig. Die Anlage selbst präsentierte sich in keinem guten Zustand, es gab nur wenige Grünflächen. An vielen Häusern bröckelte der Backstein, das Holz war ausbesserungsbedürftig und benötigte dringend einen Anstrich. Der Gebäudekomplex, in dem das zum Verkauf stehende Condo lag, war ein wenig besser in Schuss. Von vorn machte es einen ganz netten Eindruck

Co-op-Condo

Nach hinten 'raus führte nur eine Tür von der Küche ins Freie, sonst gab es gar nichts, wo man hätte sitzen können, nicht mal eine Mini-Terrasse. Leider gibt es davon kein Foto, denn ich habe die Flucht angetreten, nachdem Werner ein paar Türen weiter an einem Treppenaufgang Kleidung gesichtet hatte, die dort offensichtlich zum Trocknen in der Sonne hing. Sie baumelte nicht mal an einer "ordentlichen" Wäscheleine, sondern an einem Strick. Wenn man in einer Umgebung lebt, in der man fünf Wochen lang nirgendwo im Wind flatternde Wäsche gesichtet hat, und wenn man weiß, dass das für die Amerikaner ein absolutes "Das-gehört-sich-nicht" ist, dann kommt es einem schon selbst ganz merkwürdig verkehrt vor. Und es lässt darauf schließen, dass die Leute, die dort leben, vermutlich ziemlich, nun ja, nachlässig sind. Wir hatten jedenfalls genug gesehen.

Wir haben noch gar nicht berichtet, dass sich schon seit mittlerweile 17 Jahren jeden Sonntagabend etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang auf dem Siesta Key Beach ein gutes Dutzend Trommler trifft. Jung und Alt, Nachbarn und Urlauber kommen zusammen, lassen sich auf Klappstühlen nieder, spielen Ball oder wandern am Strand entlang. Manche lassen Hula-Hopp-Reifen kreisen oder versuchen sich an akrobatischen Darbietungen, andere tanzen und wiegen sich barfuß im Puderzuckersand zum Rhythmus der Trommeln, der über allem liegt, während die Sonne über dem Meer untergeht. Eine traumhaft schöne Atmosphäre.

                

Auf dem ersten Foto sieht man einen Mann im Rollstuhl mit einem Schild "Vote Yes on 2 for Marijuana". Hintergrund ist, dass bei den Kongresswahlen letzte Woche in Florida gleichzeitig über die Freigabe von Marihuana für medizinische Zwecke abgestimmt wurde. Das Ergebnis: 57,6 Prozent der Wähler sprachen sich dafür aus, aber es wären 60 Prozent nötig gewesen, um die Änderung durchzubringen.

Noch ein bisschen Geschichte zum Schluss: Sarasota erlangte am 11. September 2001 weltweit traurige Bekanntheit. Der damalige Präsident George W. Bush hielt gerade an der Emma-E.-Brooker-Schule einen Vortrag, als der Terroranschlag auf das World Trade Center geschah und er mitten in seiner Rede die Nachricht von den Anschlägen erhielt.

Wir grüßen euch aus dem zur Zeit recht kühlen Florida und wünschen euch nach Norden, Süden, Westen und Osten ein friedliches Wochenende!

Die Floridianer

 

 

Baby, it's cold outside

Donnerstag, 20.11.2014

Hallo in die Heimat und nach überall hin, wo man uns liest!

Wir sind gut in Fort Myers Beach gelandet und fallen gleich mal mit ein paar Eindrücken vom ersten Strandspaziergang bei euch ein.

Nach dem Frühstück tranken wir draußen unseren Orangensaft

 Unser Hotel .

Fotografierten unser Hotel und freuten uns über den schönen, breiten Strand.

 

Wir sahen einen Kormoran, der sich nicht beim Trocknen seiner Flügel stören ließ.  Wir kamen ganz dicht ran.        

        

Wir wanderten bis zur Spitze der Insel und warfen einen letzten Blick zurück.

Gleich hinter dem Strand wachsen die Mangroven

      Mangrovenwurzeln

Und ab geht es in die Wildnis, in die Sümpfe

   Sumpf    und ab geht's

 Brücke über den Sumpf 

Eine Brücke führt über den Sumpf. "Nein", sagt Werner, "hier gibt es keine Alligatoren."

   

Nur der Kormoran begleitet uns eine Weile.

 

Eine Bank in der Wildnis! Nehmen wir die? Oder lieber die:

 

 

 Ein kleiner Angler auf dem Trockenen 

Ein kleiner Angel macht Trockenübungen

Wie liebevoll und lebensecht die Skuptur gestaltet ist!

  

Der Pfad mündet in einen öffentlichen Park , den

Bowditch Point Park

 Picknickplatz

Hier gibt es Park- und Picknickplätze und saubere Toiletten. Wichtig, wenn man einen ganzen Tag am Strand verbringt. Wer ein Boot mitbringt, kann es dort zu Wasser lassen. Und wer nicht durch die "Wildnis" möchte, findet hier einen bequemen Strandzugang 

 Unsere Straße 

Auf der nur wenig befahrenen Straße wanderten wir dann müde zurück zum Hotel. Unterwegs   Trolley

begegnete uns ein Trolleybus. Die Trolleys fahren für 50 cent (40 Euro-Cent) pro Fahrt den ganzen Beach entlang. Viele Häuser sind in karibischen Farben gestrichen, sie sehen einfach traumhaft aus

 

"Baby, it's cold outside" sangen wir gestern. Wenn es so ist, wie es immer ist, spricht man nicht drüber, über das Wetter, meine ich. Es ist unglaublich, aber wahr: Schietwetter in Fort Myers Beach

Schietwetter

Alle frösteln vor sich hin, laufen in langen Hosen 'rum und tragen Pullis und Windjacken. In der Nacht waren 7 Grad Celsius, heute vormittag 12! Ich hätte nie gedacht, dass mich Nordlicht solche Temperaturen derart zum Frieren bringen. Aber wenn es von 26 Grad quasi über Nacht auf 12 bergab geht...

...dann muss schon was ganz Fieses dahinter stecken. Der TV-Wetterkanal klärte uns auf: Wir haben die Ausläufer einer "unerbittlichen arktischen Attacke"

Huuuaa - kalt!

abbekommen, die - Hamburger aufgepasst und schnell mal aus dem Fenster geschaut! - über Hamburg niederging. Hier ist der Beweis:

Die Moderatorin zeigte noch schnell, wie groß die Schneeflocken waren   sooo groß

Dann musste sie erstmal Schnee schippen gehen. Stolz posierte sie 24 Stunden später vor dem 

Berg. Doch Eile ist geboten, denn es werden weitere 2 Füße Schnee erwartet.

Da ich ja meinen Teller heute ratzeputz leer gefuttert habe (siehe weiter unten), müsste morgen eigentlich die Sonne scheinen. Am Abend riskierte sie schon mal einen Blick durch die Wolken

 

Was macht man, wenn das Wetter schlecht ist? Eine Frau im Fahrstuhl meinte: Shoppen oder Essen gehen. Wir machten beides. Werner braucht Winterschuhe für New York. Oder, wer weiß, wenn das so weitergeht, auch für Fort Myers Beach ;-) Wir wurden nicht fündig, aber es ist ja noch Zeit bis Januar. In einem Seafood-Lokal in den Miromar Outlets in Fort Myers aß ich zum ersten Mal Hummer. Vorher fragte ich, ob er eßfertig serviert wird, denn ich wollte Werner und den anderen Gästen herumfliegende Hummerteile ersparen. Er wurde auf einer Papierserviette in kleinen Stücken fritiert auf einem Brot mit Tomaten serviert, dazu gab es Pommes. Dass es immer so viele Kohlehydrate sein müssen!

Ich wollte es diesmal ganz auf amerikanische Art machen und schnitt zunächst alles, was auf dem Teller noch nicht mundgerecht war, in kleine Stücke, und legte dann als Zeichen meiner friedlichen Absichten das Messer beiseite. Es schmeckte prima, ich verputzte alles und erschrak, als ich auf die darunter liegende Serviette blickte: In der Mitte war ein großes Loch, kein Papier weit und breit. Es muss an der Unterseite des Brötchens hängengeblieben sein. Lauter rot-weiße Serviettenschnipsel in meinem Magen... Prost Mahlzeit.

Hier noch ein wenig VERMISCHTES der letzten Tage. 50 PLUS zu sein hat Vorteile. Jeden Dienstag erhalten 50+ler in vielen Geschäften im Ellenton Outlet Sarasota 10 Prozent Rabatt, zusätzlich zu den übrigen Outlet-Rabatten. Die humoristisch begabte Dame am Infostand, die uns die Rabattkarte aushändigte, meinte, es könne passieren, dass man nach dem Ausweis gefragt wird. Also ehrlich!

Hier seht ihr ein dachbegrüntes öffentliches Klohäuschen am Yachthafen in Sarasota :D

Deutschland und Neuseeland sind nicht dabei, aber der Weg zur nächsten Bierdose darf auf diesem Wegweiser nicht fehlen 

Hier hängen alle am Handy 

und da sitzen die bösen Buben drin

Auf der Fahrt von Sarasota nach Fort Myers Beach haben wir den ersten Weihnachtsbaum gesichtet     ... Verrückt, denn gleichzeitig sieht man am Wegesrand die schönsten

Pflanzen

         Die Einfahrt eines hiesigen Parkplatzes ziert eine Piratenflagge

Erster Sonnenuntergang im neuen Domizil, Blick vom Balkon

Zu guter Letzt und auf besonderen Wunsch aus der Abteilung "Die Hippie-Tante und der Ford Mustang" Huch, das falsche Foto! Oh Pardon, man wird alt... Jetzt aber:

Hippie-Oma

Es grüßen Euch herzlich

Huhu!

Die Fröstelnden Floristen

P. S. @ Andi: Wie schön, dass dir unser Blog gefällt. Caladesi Island haben wir leider verpasst. Werner hatte früher schon mal von den Sanddollars gehört. Sollten wir nochmal gen Norden fahren, werden wir dort vorbeischauen, es klingt verlockend! Der Sender auf 94.9 nennt sich heute "Magic 94.9" und kommt mit der Ansage "Magic 94-9 - 80's, 90's and Now". The times, they are a-changin' :D

Grüße!

Shades of Grey

Samstag, 22.11.2014

Es war nicht viel los heute, eher ein sehr geruhsamer und, was mich betrifft, vormittags leicht melancholischer Tag. Nachdem sich gestern am Nachmittag die Sonne endlich wieder gezeigt hatte, war heute morgen der Himmel bedeckt, und wieder wehte ein kühler Wind. Zeit für lange Hosen und das Hamburg-T-Shirt

Grauer Himmel        

Der Frühstücksraum war voll. Der Platz dort ist ohnehin knapp bemessen, aber heute, so schien es, ließen sich alle besonders viel Zeit. Dafür hatte man draußen Platz genug. Es gibt dort Tische und Bänke, an denen man bequem sein Frühstück einnehmen kann, was wir dann auch taten. Bevor wir uns aufmachten, um ein wenig die Umgebung jenseits der Brücke zu erkunden, checkte ich noch schnell die E-Mails. Und las, dass ein Condo, gegen das wir uns entschieden hatten und dessen Verkauf "pending" (in der Schwebe) war, nun endgültig einen neuen Eigentümer hat. Wider alle Vernunft war ich irgendwie ein wenig betrübt, denn mir war just dieses Objekt immer noch hin und wieder durch den Kopf gegangen. Und der tatsächliche Verkaufspreis lag auch noch um glatte 20 Prozent niedriger als der ursprüngliche Preis. Aber: No regrets! Meine kleine Trübsal war nur eine leise Nachwehe unserer vergeblichen Condo-Suche.

Wir fuhren also über die Brücke, die Fort Myers Beach mit dem Festland verbindet und bogen gleich in die erste Querstraße ein, in eine abgelegene Gegend direkt unter der Brücke, die wohl nur von Anglern und Einheimischen aufgesucht wird, sowie von jenen, die zu den Marinas und den Anlegern der Fähren wollen, die jeden Tag hinüber nach Key West fahren.

Matanzas Pass Bridge Matanzas Pass Bridge By Sanibel Sun, commons.wikimedia.org

Es ist klein und urig dort, es gibt eine Kneipe, und es herrscht Fischverarbeitung-, Hafen und Werft-Atmosphäre.


   

Bill's Café    Under the Bridge

Wir betrachteten ein paar Segelyachten, die auch schon bessere Zeiten gesehen hatten und am Steg ungepflegt ihr Dasein fristen. Und mittendrin entdeckten wir unser Traumhaus! Hm, ok, ein paar kleine Schönheitsreparaturen wären vonnöten... ;-)

Traumhaus mit Schönheitsfehlern :D   

Auf der Rückfahrt dachte ich an die Ostsee, das Segeln, an Heiligenhafen. Im Radio spielten sie zu allem Überfluss auch noch "Lights" von Journey, ein vergessener, toller Song (*schmacht* Gitarrensolo ab 2:04). Der Text handelt von der Sehnsucht nach der "City by the Bay" (San Francisco), und ich dachte prompt an Hamburg.

Alles nicht so wild (aber hätte ich bloß nicht das Hamburg-Shirt angezogen! ;-)! Zurück im Hotel guckte ich mal schnell bei Facebook 'rein und sah, dass uns unser lieber Freund H. dieses  wunderschoene Video von Hamburg geschickt hatte. Aus war es mit meiner Fassung. Zuviel Nostalgie. Ich zog geschwind was anderes an, und - Kälte macht hungrig - wir machten uns über das Essen her.

Ihr fragt euch vielleicht, ob wir hier jeden Tag Essen gehen "müssen". Nein, denn zum Glück hat das Hotelzimmer eine kleine Küchenzeile mit großem Kühlschrank und 2-Platten-Herd. Heute gab es Steak mit Kartoffeln (gekocht, da kein Backofen) und Sour Cream. Was hier als Sour Cream im Kühlregal steht, schmeckt eher wie unser Schmand. Also kam ordentlich Knobi, Salz, etwas Essig und Zucker dran.

    Dinner is ready!

   Das Wetter wurde übrigens heute den ganzen Tag über nicht besser. Sehr bedauerlich für diejenigen, die ihren Jahresurlaub gerade jetzt hier verbringen und sich auf Sonne und Wärme gefreut hatten.

Aus der Rubrik Vermischtes:

- Ein Liter Benzin kostet 0,60 Euro

- Wenn Toiletten öffentlich "Restroom" und in Privaträumen "Powderroom" heißen, wie nennt man dann Toiletten-Papier? Na klar: "Bath Tissue", wie sonst?! ;-)

- Erkenntnis: Mein Englisch ist grottenschlecht geworden. Ich verstehe so gut wie alles, stümpere aber herum, wenn ich einen gescheiten Satz sagen will. Weitere Erkenntnis: Wortfindungsstörungen machen leider auch vor Fremdsprachen nicht Halt!

- Schriftzug auf der Anzeigetafel vor einer Kirche: "No hurricane 2014! Thank you!" (Die Hurricane-Zeit dauert von Juni bis einschl. November)

- Ein Restaurant namens "Another Broken Egg" bietet "egg-ceptional Breakfast, Lunch and Dinner" :D

- "Yogurtology"  heißt eine Kette, die frozen yogurts anbietet.

- Apropos: Die Stadt Clearwater ist Hauptsitz von Scientology. Viele Gebäude der Stadt gehören der "Church of Scientology", wie sie hier heißt.

- Die US-Sportsender zeigen mittlerweile viel Fußball. Das Spiel Italien vs. Kroatien letzte Woche z. B. wurde als Aufzeichnung übertragen. Moderatoren sind immer Engländer.

- Ich bin seit zehn Jahren und 21 Tagen Nichtraucherin. Hatte es mir in einem USA-Urlaub abgewöhnt.

- Im Supermarkt unseres Vertrauens wird man an der Kasse beim Einpacken gefragt, ob man Plastik- oder Papier-Tüten möchte.

- Bin neugierig, ob die Überschrift die Anzahl der Leser steil ansteigen lässt ;-)

That's it for today!

Have a nice weekend!

Eure Floridianer

Natur, Downtown und Truthähne

Donnerstag, 27.11.2014

Zur Zeit herrscht hier das reinste April-Wetter. Einen Tag ist es heiß und sonnig, am nächsten kühl und windig. Aber der Reihe nach.

Am Wochenende war wieder eine Hochzeit am Strand! Diesmal hier in Fort Myers Beach. Die Fotografin war mehr als zwei Stunden lang damit beschäftigt, die Braut (barfuß und mit einem Brautstrauß, der aus irgendwas, nur nicht aus echten Blumen bestand) mit und ohne Gäste in sämtlichen denkbaren Konstellationen zu fotografieren. Offenbar war als Dresscode Schwarz-Weiß angesagt. Auf diese Weise konnten Nichteingeweihte bis zuletzt nicht erkennen, wer denn nun eigentlich der Bräutigam war. Naja, Hauptsache die Braut wusste Bescheid. Besonders die Männer in ihrem feinen Zwirn und dazu barfüßig sahen eigentümlich fehl am Platze aus. Die eigentliche Zeremonie hat eine resolute weißhaarige Dame durchgeführt. Leider wurde die Sicht auf das Geschehen direkt nach dem Ringtausch von einem Gast behindert, aber ich tippe stark auf Bleigießen ;-) Jedenfalls begutachteten die beiden das, was sie da vollbracht hatten, anschließend ausgiebig.

   

Der Samstag begrüßte uns mit Sonne und Wärme. Vormittags saßen wir verträumt auf einer Bank, tranken Tee (ich) und Kaffee (Werner) und guckten auf den Strand, als Werner ein paar Meter entfernt eine schwarze Schlange entdeckte, die sich im weißen Sand von Gebüsch zu Gebüsch schlängelte. Sie war harmlos, sagte uns das Internet später.

Nicht weit von unserem Hotel befindet sich das Matanzas Pass Preserve, ein kleines Naturschutzgebiet. Eigentlich sind es nur knapp zwei Kilometer Wanderwege durch die pure Natur, aber ich hatte den Eindruck (Anmerkung von Werner ab hier bis zum Rest des Ausflugs: "War alles kein Ding, Helga übertreibt maßlos"), es war mindestens die zwei- wenn nicht dreifache Länge. Die Pfade waren ausgeschildert und man ging auf Holzbohlen

 

Zwischendurch gab es einen herrlichen Ausblick auf den Matanzas Pass

  Ausblick auf Matanzas Pass

und ein Mini-Salamander, ganz in Grün, genoss die Wärme

...Alles ok, bis wir zu einem Pfeil mit der Aufschrift "Primitive Trail" kamen. Den haben wir gewählt, und wie der Name schon sagt ... Der Weg wurde immer schmaler und verwunschener, zwischendrin matschig, überall wucherte das Grün, keine Holzbohlen weit und breit, und der Trail war weit länger als die angekündigten "paar Hundert Meter". Ich schwitzte und dachte an Schlangen und ... "Nein", sagte Werner, "hier gibt es keine Alligatoren."

         

        

 

Die ganze Zeit begleitete uns ein seltsames Geräusch, ein lautes Zischen, noch übertönt von einem hochtönenden Sägen - der Gesang von Singzikaden.

Am Ende erwischten wir auch noch einen Loop, also einen kleinen Rundweg, auf dem selbst ich Stadtmensch beim zweiten Durchgang die Blätter und Wurzeln am Wegesrand mit Namen begrüßen konnte. Schließlich zeigte uns - Hallelujah! - ein Schild, wo wir uns befanden (wir dachten, wir wären ganz woanders) und wo es lang ging, um wieder in den Genuss der Segnungen der Zivilisation in Form von kühlen Getränken, Restrooms, markierten Wegen und menschlichen Ansiedlungen zu gelangen.

Am EIngang/Ausgang trafen wir auf eine Gruppe älterer Leute, vornehmlich Frauen, die eine geführte Tour durch dieses (ja, ich gebe es zu) doch sehr kleine Gelände machten. Sie waren ausstaffiert, als seien sie Pfadfinderinnen, die auf Safari gehen...

Auf dem folgenden Foto versteckt sich eine kleine Krabbe. Beim Fotografieren sahen wir sie ganz deutlich, aber jetzt ist sie nicht wiederzufinden, sie ist wie vom Erdboden verschluckt. Tarnung perfekt!

Hier hat sich eine kleine Krabbe versteckt

Sonntag war ein fauler Tag. Wir gingen die paar Minuten zu Fuß nach Downtown zum Time Square, einem kleinen Zentrum direkt zwischen der Brücke nach Fort Myers und dem Strand, wo es haufenweise Lokale, Live-Musik und Souvenir-Läden gibt. Letztere bieten Kitsch-as-Kitsch-can massenweise.

Time Square Fort Myers Beach     Oldtimer werden spazierengefahren   ... und die Motorräder auch       Time Square

 

Einen öffentlichen Parkplatz mit Schildkrötenskulptur gibt es auch

 

öffentlicher Parkplatz iim Zentrum    

 

Picknick-Area  und zu den Restrooms geht es durch ein (rollstuhlfreundliches) Geländer-Gewirr

 

Öffentliche Picknick-Area  

Der Montag begrüßte uns mit Nebel über dem Meer

Morgennebel

Bei 30 Grad C fuhren wir vormittags über die Brücke ins Herz von Fort Myers. Wir bummelten am Hafen entlang, blickten übers Wasser nach Cape Coral und schlenderten durch die hübsche Downtown.

   Drüben ist Cape Coral

   zwischen Hafen und Downtown   Italian Flair          Musikanten auf der       Sind wir hier in Verona (und da oben wohnt Julia?) Sind wir in Venedig?       Die Kunsthalle1 The Barber Shop    Fort Myers History

In der City Tavern aßen wir einen leckeren Ceasars Salad zu - wie so oft in Bars und Lokalen - allerfeinstem Blues, Country und Rockmusik

 

City Taverne - leider unscharfnice guy  nice gal

Ein Typ, der wie Peter Frampton aussah, kam zur Tür herein. Den hatten wir vor ein paar Jahren live in Nashville gesehen, und ich könnte schwören, dass der, den ich hier sah, mindestens ein Doppelgänger - wenn nicht tatsächlich er selbst - war. So oder so, für den Rest des Tages hatte ich "Show me the way" im Kopf - was auch gut zu unserem Natur-Erlebnis gepasst hätte ;-) . 

Und das gab es sonst noch zu sehen:

Diese Hochhäuser ...    

Einen    So sieht's schon abenteuerlich aus...     Eine Stunde kostet 25 Cent, max 10 Stunden darf man parken  

Im Verlauf des Tages wurde es immer heißer. Auf der Rückfahrt hielten wir an einer Tankstelle, um Getränke und ein paar Erdnüsse zu kaufen, und wieder mal kam ich mit der Kassiererin ins Gespräch. Sie wünschte mir im Hinblick auf Thanksgiving "Happy Holiday" und meinte, das sei die einzige Zeit im Jahr, in der man alles Leckere und Ungesunde essen und trinken dürfe, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Interessant, denn diese Eigenschaften werden in Deutschland ja eher dem Weihnachtsfest zugeschrieben. Auf diese Weise auf Thanksgiving aufmerksam gemacht, warfen wir am Abend noch einen Blick in die Tiefkühltruhen des Supermarkts unseres Vertrauens. In amerikanischen Filmen sieht man manchmal, dass zu Thanksgiving tatsächlich der Run auf die Truthähne einsetzt. Wir fanden eine ganze Truhe voll, nicht ahnend, das diese hier nur eine Miniaturausgabe waren:

Turkey Day coming soon

Heute entdeckten wir dann diese Riesen-Tiefkühl-Turkeys:

Mannomann, das ist wirklich Hardcore... Ich dachte echt, das gibt es nur im Film! Und wie groß muss ein Backofen sein, um ein solches Teil zu beherbergen? Und wie lange muss so ein Otto braten? Sechs Stunden? Acht Stunden? An Niedrigtemperatur-Garen ist hier ja wohl gar nicht erst zu denken, der braucht dann ja 24 Stunden! Übrigens standen die Leute in einer langen Schlange vor einem extra aufgebauten Tisch, hinter dem zwei Supermarkt-Angestellte Namen aus einer Liste aufriefen, um der jeweiligen Person einen großen Karton, vermutlich mit einem frischen Turkey, auszuhändigen. Es erinnerte stark an Heilig Abend-Vormittag bei uns, wenn die Kunden an den Theken ihre vorbestellten Waren abholen.

Abends sahen wir wieder einen fantastischen Sonnenuntergang.

  Sonnenuntergang nach einem heißen Tag

Gestern war es mal wieder Zeit, Klamotten zu waschen, wofür im Hotel Waschmaschinen und Trockner zur Verfügung stehen. Man muss nur genug Quarters, das sind 25-Cent-Stücke, einwerfen. Waschpulver sind im Automaten zu haben 

Gegen Abend wurde der Himmel dunkel, und die Temperatur sank. Es wehte ein heftiger, kühler Wind. Wir hatten Lust auf einen Bummel und gingen zum Time Square, wo wir eine Runde drehten und eine kleine Weile lang zwei konkurrierenden Live-Musikern zuhörten (der eine gab "Mrs. Robinson" zum besten, der andere "Knocking on Heaven's door"). Hier und da zeigt sich auch die erste vorweihnachtliche Deko und Beleuchtung.Und dies ist das hell beleuchtete Souvenir-Geschäft Mango Bay - fast grell, da braucht man sogar nachts 'ne Sonnenbrille

Mango Bay by night

Zurück im Hotel fing es an, draußen mächtig zu grummeln. Vom Balkon aus sahen wir heftiges Wetterleuchten über dem Meer. Nachts schüttete es wie aus Eimern und stürmte wie verrückt – ein richtiges Unwetter. Morgen ist Thanksgiving. Für uns ein Tag wie jeder andere, aber die Amerikaner sitzen an diesem Tag ja offenbar alle en famille um den Tisch herum und essen, was der Truthahn hergibt. Oder was das Restaurant zu bieten hat. Freitag ist dann Brückentag, hier "Black Friday" genannt, an dem besonders die Elektronikmärkte starke Preisnachlässe anbieten. Auf jeden Fall wird überall relaxt, gefeiert und Kurzurlaub gemacht. Unser Hotel ist schon seit langem für das Thanksgiving-Wochenende derart ausgebucht, dass wir am Freitag für eine Nacht in ein nahegelegenes Hotel umziehen müssen. Es gibt noch so viel zu berichten, aber an dieser Stelle mache ich mal einen Punkt.

Nächstens mehr von

den Floristen

 

Noch mehr Natur, Dies und Das, Haare ab

Montag, 08.12.2014

Moin zusammen, da sind wir wieder! Nein, ich wurde nicht vom Krokodil gefressen :D! Obwohl (Werner: Helga übertreibt mal wieder) das gaaaanz eventuell hätte passieren können. Aber davon später mehr. In der letzten Zeit waren wir entweder zu erschöpft von den Tagesaktivitäten oder schlicht zu tiefenentspannt, um Blogeinträge zu verfassen. So here we are again, nach einem angenehm vertrödelten Wochenende...

Thanksgiving war und ist Familientag, so ist es nicht nur in amerikanischen Filmen, sondern auch in echt. Soweit das Familienleben draußen stattfand, erhielten wir einen kleinen Einblick. Oma, Opa, Eltern, Onkel, Tanten und jede Menge Kinder kamen zusammen. Am Pool fielen sich Menschen, die sich lange nicht gesehen hatten, in die Arme (ich hätte Zweifel, ob ich Tante Käthe im Badedress überhaupt erkennen würde). Man hatte sich ganz offensichtlich viel zu erzählen. Plaudernde Grüppchen überall: Am Pool, auf dem Rasen oder am Strand, die Kinder spielten, in den Parks bevölkerten Menschen jeden Alters, ausgerüstet mit Kühltaschen, Gitarren, Trommeln, Bällen und Spielzeug die Picknickbänke rund um die Grillplätze, von denen es hier viele gibt und die auch eifrig genutzt werden.

Wir bummelten an Thanksgiving durch die Nachbarschaft, und da wir unsere Condo-Suche aufgegeben haben, machten wir neue Pläne - und verwarfen sie wieder:

- Motorbötchen kaufen und den Intracoastal Waterway befahren (Wir sind zwar gern unterwegs, aber viele Jahre Fahrtensegeln liegen hinter uns und das ist Wassersport genug für den Rest des Lebens)

- Wohnmobil kaufen und durch die Gegend fahren (Wir sind zwar gern unterwegs, am Ende fehlt uns aber das Camper-Gen)

Nachdem "Im Lotto gewinnen und Haus mit Pool und Privatstrand kaufen"

 

auch keine realistische Alternative ist, haben wir beschlossen, uns nächstes Jahr auf das zu konzentrieren, was wir ohnehin machen wollten, nämlich ausgiebig quer durch die USA auf der Route 66 von Chicago nach Los Angeles zu fahren, ganz gemütlich mit vielen Abstechern, und zu bleiben, wo es uns gefällt. Mit dem Auto, nicht mit dem Motorrad (wir sind zwar gern unterwegs, aber ein Auto ist einfach komfortabler). Auch werden wir an der Ostsee und zuhause das eine oder andere renovieren (wir sind zwar gern... ihr wisst schon, aber das "Basislager", von dem aus wir unterwegs sind, muss ja auch in Schuss gehalten werden). Aber erstmal bleiben wir noch bis Mitte Januar hier in Fort Myers Beach. Dann fliegen wir nach New York City, wo wir eine knappe Woche verbringen werden, bevor wir nach Hause zurückkehren.

Auf unserem Thanksgiving-Spaziergang durch die Nachbarschaft kamen wir an einem freien Wassergrundstück vorbei, das wir neugierig betrachteten, just for fun, versteht sich. Der Nachbar legte gerade mit seinem Segelboot (siehe Foto) ab, winkte und rief uns fröhlich zu: "Wanna buy the lot? Then pay a lot!" ("Wollt ihr das Grundstück kaufen? Kostet 'ne Menge!"

Buy a lot, pay a lot!

Wir winkten fröhlich zurück. Vermutlich könnten wir uns gerade mal ein paar Quadratmeter für Mülleimer und einen hübschen Briefkasten - so einen vielleicht? ->  leisten...

Wenn ich bedenke, wie ängstlich ich anfänglich war, ein fremdes Grundstück zu betreten! Hatte man doch die Berichte im Kopf, nach denen hier jedermann bewaffnet ist und gern mal schießt, wenn einer zu nahe kommt. Während unserer Condo-Suche ist Werner immer wieder auf privates Gelände und in Treppenhäuser gegangen, und wenn er jemanden traf, hat er erklärt, wer er ist, was wir vorhaben und auch mal die eine oder andere Frage bezüglich der Nachbarschaft gestellt. Sicher hat unser Alter und Auftreten eine Rolle gespielt, jedenfalls wurde ihm bereitwillig und freundlich Auskunft gegeben.

Der vergangene Dienstag wird mir in den nächsten Monaten jedesmal wieder in den Sinn kommen, wenn ich in den Spiegel schaue. Eine hiesige Friseurin schnitt munter, den Unterschied zwischen Kinn und Ohren schlichtweg ignorierend, mein Haar bis zu den Ohren ab und sorgte dafür, dass ich fast die gleiche Frisur habe wie damals, als ich neun Jahre alt war und "Sechser" modern waren. Unfassbar! Vorher hatte sie mich noch gefragt, ob ein Bob (wo sind eigentlich die Zeiten hin, als der Bob noch Pagenkopf hieß?) okay sei und mir als Beispiel ihre Schwester präsentiert, die gerade anwesend war und einen passablen knapp kinnlangen Haarschnitt trug. Die Friseurin begann hinten, und als ich den Luftzug im Nacken spürte, war der Schaden auch schon geschehen.

   von der Seite wird's auch nicht besser     

Der Witz war auch, dass dieselbe Friseurin vorher Werner das Haar geschnitten und dabei sogar weniger gekürzt hatte, als er eigentlich wollte. Ich hatte zugeguckt und es hatte mich beruhigt, dass sie nicht so radikal zu Werke ging... Haha! Neben viel tröstlichem Zuspruch meinte Werner schließlich: "Nimm doch mal die Mütze ab", was mich dann doch zum Lachen brachte. Auf jeden Fall muss ich jetzt viele Paare Ohrringe kaufen!

Unser Hotel hat übrigens eine Rund-um-die-Uhr-Webcam , die den Strand, die Balkons und den Pool zeigt. Solltet ihr uns dort entdecken (Werner ist der Langhaarige und ich bin die mit der Mütze), bitte heftig winken!

Übrigens ist es hier wie überall: Die Leute legen Handtücher - und nicht sich - auf die Liegen am Pool. Uns stört es nicht, wir kommen eh nur zum Schwimmen und gehen dann gleich wieder. Auch sieht man hier manchmal Leute mit Klamotten ins Wasser gehen, sogar mit Käppi auf dem Kopf (nein, nicht ich!) Ob das aus religiösen Gründen geschieht? Oder wegen der Sonneneinstrahlung? Oder weil sie möglicherweise Handicaps haben, die nicht so offensichtlich sein sollen? Keine Ahnung...Apropos, hier gibt es eine Vorrichtung, mit der Körperbehinderte mittels eines Stuhls in den Pool abgesenkt werden können. Tolle Sache, habe ich noch nie vorher gesehen.

Das bringt mich zu einem anderen Thema, nämlich dem Umgang hier im Land mit Krankheit, insbesondere Krebserkrankungen, und der überall gegenwärtigen Bereitschaft zu spenden. Besonders Brustkrebs nimmt einen breiten Raum ein und wird sehr offensiv thematisiert. So ist z.B. der Oktober der "Pinktober" -  Den ganzen Monat hindurch werden überall Spenden für die Forschung und Bekämpfung von Brustkrebs gesammelt. An der Kasse einer Drogeriekette wurden wir von dem Kassierer gefragt, ob wir spenden möchte. Wenn ja, wird der gewünschte Betrag gleich auf die Rechnung aufgeschlagen. Es gab und gibt auch viele Läufe und etliche Wohltätigkeitsveranstaltungen. In einem großen Outlet erhielten wir gegen eine Spende von 10 Dollar ein buntes Halstuch und eine Karte, mit der wir in jedem teilnehmenden Geschäft (und das waren die meisten) einen Rabatt von 25 Prozent auf ein Teil unserer Wahl bekamen, zusätzlich zu den übrigen Rabatten. Ein guter Deal für alle Beteiligten.

Auffällig auch und ganz anders als bei uns: Große Anzeigetafeln vor den Drogerien-Ketten zeigen an, dass man sich dort gegen Grippe impfen lassen kann ("Flu-Shots"). Grippeschutz to go sozusagen. Die Drogerien erfüllen hier gleichzeitig den Zweck unserer Apotheken. Es gibt einen Tresen, an dem verschreibungspflichtige Medikamente gegen Rezept ausgegeben werden, und man kann sich von medizinisch geschultem Personal beraten lassen.

Einige von euch fragten, ob denn hier bei uns schon Vorweihnachtsstimmung aufkommt. Ganz klare Antwort: Nein. Zwar sind die Häuser liebevoll geschmückt

           

Vieles arg bunt, was gar nicht meinem Geschmack entspricht, aber wenn man bedenkt, dass man hier in gleißendem Sonnenschein in eher karibisch anmutender Umgebung und unter Palmen in Shorts und Sandalen lebt, passt es schon wieder. Überhaupt ist es mir so ganz lieb. Ich habe es in diesem Urlaub bisher richtig gut geschafft, weitgehend im Hier und Jetzt zu sein und vermisse nichts. Glühwein und Weihnachtsmärkte wird es nächstes Jahr auch noch geben. Die Tatsache, dass Arne und AK in Neuseeland sind (dort ist jetzt Sommer), trägt ein übriges dazu bei. Unsere Maklerin Monika Wilson hat zum Thema "Weihnachten in Florida" einen anschaulichen Beitrag geschrieben.

Das Highlight der vergangenen Woche war ein Besuch im Audubon Corkscrew Swamp Sanctuary

Ein ca. 3,6 km langer Holzsteg führt durch verschiedene Areale, die unterschiedliche Lebensbereiche des Corkscrew Swamp Naturschutzgebietes zeigen. Man beginnt den Weg in einem Kieferhochland, geht über nasse Wiesen hinein in den Zypressen-Wald und gelangt in das Sumpfgebiet. Nach dem Sumpfgebiet kommt man zur letzten Station, dem "Salat-See" (Auszug aus und mehr Infos auf deutsch siehe Typisch Florida oder http://corkscrew.audubon.org/ (auf englisch)

Es wird am Eingang empfohlen, sich mit anderen Besuchern darüber auszutauschen, wenn man ein Tier entdeckt hat. Ehrenamtliche Mitarbeiter gehen herum, fragen, zeigen und informieren. Man flüstert unwillkürlich oder spricht wenigstens leise, geht auf leisen Sohlen und spitzt die Ohren wie ein Indianer auf Kriegspfad... In dem Areal gibt es Bäume, die mehr als 500 Jahre alt sind, faszinierend! Gleich zu Beginn entdeckte ich eine Wasserschlange, später sahen wir Waschbären zu, die direkt neben uns im Gehölz nach Nahrung suchten, und schließlich näherten wir uns dem Alligator Hole Shelter, einem kleinen See, an dem man auf einer Bank unter einem Holzdach Schutz vor Regen findet. Ja, sagte Werner, hier gibt es Alligatoren, und dann entdeckte er auch schon einen, der sich in der Ferne sonnte... Bald darauf trafen wir einen Volunteer (Freiwilliger Helfer), der vermeintlich einen Baumstamm fotografierte. Er sagte uns, er hätte die Rinde fotografieren wollen, als ihm zufällig eine Spinne auffiel, die in ihrem Tragesack an die 200 Eier beherbergte. Er meinte, in der Nähe sei ein größerer Teich, da würde sich gegenüber der größte Alligator sonnen, den er an jenem Tag entdeckt hatte, man müsse allerdings schon genau hinsehen... Das taten wir dann auch und wurden mit dem Anblick eines wahrlich riesigen Exemplars belohnt. Holla, die Waldfee! Eine Schildkröte sahen wir auch noch. Sie saß da wie auf dem Präsentierteller. :D

Die Stille, das Licht, Naturgeräusche und das Gefühl, ein Teil der Natur zu sein, lässt sich nur schwer in Worte fassen, und Bilder sagen mehr als Worte. Deshalb hier eine Auswahl aus 150 Fotos. Da manches schwer zu erkennen ist, haben wir versucht, einige Bilder zu vergrößern, ohne sie allzu unscharf werden zu lassen.

besser ist's...     Heia Safari

Das fängt ja gut an               Waschbär die zweite Einfach nur schön    Entengrütze   Ikebana made by nature   die sahen wir leider nicht      Farne   Menschengestalt?   Faszinierend   mehr als 500 Jahre alter Leopold-Tree       Naturschönheit   Da ist der Mensch ganz klein Hier sahen wir den ersten     Alligator - gut versteckt      Ein Auge riskier' ich       Spinne mit ca 200 Nackommen im Sack Swamp Lilys - Sumpflilien Flügeltrocknen Ach wie so trügerisch ist dies Gewässer   ... denn der graue Punkt da hinten... ...ist ein Riesen-Alligator  

Grüner

     Nessajas Nachkommen :D Da wächst was im hohlen Stamm    ein Ibis - die gibt es hier zuhauf  Attention! Tree crossing!     Auf Wiedersehen!

Heute, am Sonntag, spazierten wir wieder mal durch die Nachbarschaft. Wir standen an einem Bootssteg und betrachteten die Boote auf dem Wasser, als keine fünf Meter vor uns zwei Delphine auftauchten. Sie waren offenbar auf Nahrungssuche, denn es gab immer wieder ein kleines Unterwassergetümmel, die Tiere tauchten auf und unter. Ein toller Anblick, und so nah am Wegesrand!

Es grüßen euch herzlich

nach Norden, Süden, Westen, Osten

Eure Floristen

Da sprach der alte Häuptling der Indianer - von Sümpfen und dem Postamt

Montag, 15.12.2014

Hallo Ihr Lieben,

nachdem wir gerade wettertechnisch einige kühle (tagsüber 16 bis 20 Grad, nachts bis zu 7 Grad kalt, Männlein wie Weiblein liefen in langen Hosen herum und trugen dicke Sweatshirts, sogar fellgefütterte Winterstiefel und Wollschals haben wir gesehen) Zeiten hinter uns haben, hier wieder ein bisschen was von der Beachfront.

Irgendwann, als es noch warm war, statteten wir der Cape Coral vorgelagerten Insel Pine Island einen Besuch ab und fuhren die Straße bis zur Südspitze hinunter. Und wieder schien die Sonne, und wieder war es so wunderbar palmenschön, und wieder war jedes einzelne Haus eine Augenweide in Pastellfarben, und wieder traf der eine oder andere Blick durch Gärten und Häuser hindurch auf glitzerndes, funkelndes Meer oder einen friedlich in der Sonne liegenden Kanal - und zum ersten Mal hatte ich einen derartigen Schönheits-Overflow, dass ich mich einen verwirrten Augenblick lang nach Straßenlärm, Autoabgasen, Pfützen in rissigem Asphalt, schmuddelwettergrauen Straßenschluchten und missmutig dreinschauenen Leuten sehnte. Der Moment ging vorbei, und zum Glück landeten wir in einem sehr rustikalen Restaurant mit leicht muffiger Bedienung und Hunderten von beschriebenen und bemalten Papierfetzen, die an die Wand gepinnt waren und von der Decke baumelten. Alles Machwerke von Gästen, die, sofern sie Lust dazu haben, die auf den Tischen liegenden Papiertischdecken bemalen dürfen. Das "Kunstwerk" wird dann aufgehängt und augenscheinlich nie wieder abgenommen.

  

Wir waren auch in Everglades City, einem kleinen Ort, der sich selbst als "Tor zu den 10.000 Inseln" bezeichnet. Die Everglades selbst erstrecken sich über etwa ein Drittel der Fläche Floridas, der südliche Teil ab etwa Miami ist Nationalpark- Naturschutzgebiet. "Pa-hay-okee" nennen die Indianer die Everglades, was soviel wie Grasfluss bedeutet. Denn tatsächlich ist das ganze Gebiet ein fließendes Gewässer, das man nur deshalb nicht erkennt, weil der Wasserlauf (der, man kann es kaum glauben, bis zu 60 km breit wird) oft nur wenige Zentimeter tief und das ganze Gebiet mit Gras bewachsen ist. Und doch fließt dieses Gewässer mit einem Meter pro Stunde.

Everglades Grasland  

Fährt man auf dem Highway 41, der auch Tamiami Trail genannt wird (zusammengesetzt aus Tampa, wo die Straße beginnt, und Miami, wo sie endet), durch diese endlose grüne Landschaft, überquert man alle paar Hundert Meter Brücken, die dem Wasser das Laufen ermöglichen (*ähem* - wenn das mal nicht 'ne gelungene Sonntagabend-Formulierung ist).

Die Everglades sind nicht, wie ich immer dachte, ein einziges großes Sumpfgebiet. Tante Wiki klärt auf, dass es sich um eine Prärie handelt, die den überwiegenden Teil des Jahres überschwemmt und nur im Winter trocken ist. Der höchste Punkt liegt stolze 2,4 Meter über dem Meeresspiegel. Da muss man schon mal einen Aussichtsturm erklimmen, wenn man in die Gegend gucken möchte. Was wir gemacht haben. Auf dem nachfolgenden Filmchen ist nur Grün, Wasser und eine Straße zu sehen, zu hören ist Wind. Nicht zu hören und zu sehen ist meine Höhenangst, die ich immer besser in den Griff bekomme, weil ich mich ihr stelle. Also war ich mutig (andere Leute stiefeln da hoch wie nix) und wagte sogar einen Blick durch die Kamera:

-Hier sollte ein Filmchen kommen, aber Google und Youtube wollen meine Telefonnummer, um "sicherzustellen, dass du ein Mensch aus Fleisch und Blut und keine Maschine bist". Dafür darf ich dann auswählen, ob ich lieber eine Bestätigung per SMS oder Sprachnachricht bekommen möchte. Gar nichts will ich, die wollen was von mir. Frechheit, das! Denn um festzustellen, ob ich aus Fleisch und Blut bin, könnten sie ebensogut diese kleinen Felder benutzen, in denen verzerrte Buchstaben stehen, die man von Hand nachtippen muss. Ein System, das schon seit Jahrzehnten bewährt und - da liegt wohl der Hase im Pfeffer - völlig anonym ist! ....Entschuldigung, wo war ich stehengeblieben? Ach ja, statt Filmchen gibt es Bildchen:

   Spenden willkommen         

Zurück zu den Everglades (auch aus Wiki:) Sie werden etwa zur Hälfte landwirtschaftlich genutzt, die andere Hälfte ist Naturschutzgebiet. Hier sind die einzigen wildlebenden Flamingos der USA beheimatet. Es gibt Waschbären, Schwarzbären, Schlangen, die wunderbaren Seekühe, denen wir unbedingt noch einen Besuch abstatten wollen, und den fast schon ausgestorbenen (etwa 30 Exemplare sollen noch leben) Florida-Panther. Übrigens sind die Everglades die einzige Region auf der Erde, in der sowohl Alligatoren als auch Krokodile leben. Alligatoren im Süßwasser, Krokodile am Salzwasser.

Der Ort Everglades City ist vor allem klein. Er hat ca. 400 Einwohner und besitzt zwei bis drei Hotels, einige Restaurants, eine Kirche, einen Sportplatz, ein Museum, eine Schule. Es gibt sogar einen kleinen Flughafen, man glaubt es kaum und versteht nicht recht, warum. Viele Airboat-Touren starten von hier, mit denen Touristen durch die Wasserwege der Everglades geschippert werden und einheimisches Getier zu Gesicht kriegen. Oder nicht, denn die Boote machen einen enormen Lärm, was doch irgendwie kontraproduktiv ist!?. Das Gebiet ist beliebt bei Wassersportlern, besonders für Kajaktouren. Hier sollte noch ein Filmchen kommen, aber.. siehe oben.

Airboat    Da schippert gerade eins davon Verwurzelt World famous - wer kennt es nicht ;-)     Alles fliesst   Vorsicht, Manatees (Seekühe) Friendly Boating    Everglades City Hier gab es leckeres Seafood   Order here Essen an der Klappe abholen  An old crab lives here        

Ich glaube, das hiesige Postamt ehrt uns bald mit der goldenen Briefmarke für Kundentreue, so oft, wie wir dort schon aufgetaucht sind. Und immer wieder ist man hilfsbereit und aufmerksam mit uns, die wir manchmal leicht irritiert sind angesichts der Vielfalt der Versendungsmöglichkeiten und Maße und Gewichte (alles in inch, feet, Unzen und Pounds). Die amerikanische Post steht der deutschen in Sachen Bürokratie in nichts nach. Es gibt verschiedene Tarife, Größen, Sendungsformen (Express, Priority Mail, und ganz schlicht, was immer das ist).

Für ein Weihnachtspäckchen, das wir nach Neuseeland senden wollten, hatten wir ein kostenloses faltbares Papp-Päckchen besorgt und befüllt. Am Schalter wog die Dame das Paket und meinte, es würde an die 50 Dollar Porto kosten, ob das nicht ein wenig zu teuer sei. Es gäbe eine alternative Versendungsmöglichkeit,für die sie dann auch gleich die Kosten ausrechnete. 26 Dollar, wir müssten nur die Ware umpacken. Flugs zauberte sie einen gebrauchten Karton hinterm Tresen hervor, legte einen breiten Klebefilm-Abroller und einen Zollzettel dazu. Während wir umpackten und das Formular ausfüllten, bediente sie die nächsten Kunden, und als wir fertig waren, mussten wir uns nicht wieder hinten in der Schlange anstellen, sondern sie winkte uns 'ran, kassierte und meinte, als wir uns für ihre Hilfe bedankten: "Ist doch prima, jetzt habt ihr noch Geld für einen Lunch übrig." Es macht Spaß, wenn Service so groß geschrieben wird und die Leute die Arbeit mit Engagement und einem Lächeln erledigen.

Es gibt einen Ort hier, der heißt Immokalee, was in der Sprache der Seminolen-Indianer "Meine Heimat" bedeutet. Die indianischen Namen klingen so schön, ich könnte einen ganzen Blogeintrag dazu machen. Ein Lieblingsname ist "Okeechobee", das bedeutet einfach nur "großes Wasser", so heißt der drittgrößte der vollständig in den USA gelegenen Süßwasserseen. Mississippi bedeutet übrigens auch "großes Wasser" und ist ebenfalls indianischen Ursprungs, allerdings von einem ganz anderen Stamm. Denn entgegen landläufiger Meinung haben Indianer keine einheitliche Sprache, Kultur, Religion.

Seit heute ist das Wetter übrigens wieder sonnig und warm. Hier noch ein paar Fotos aus unserer Umgebung

Fort Myers Beach1   Was bedeutet bloß Klamotten, Kleinkunst, Juwelier   Canale Grande ;-) Rund um den Times Square1   noch mehr Graffity Da geht's zur Seebrücke   Weihnachtssternpalme  Unser neuer Chorbus? Da passt die Band samt Technik mit 'rein

An dieser Stelle ein besonderer Gruß an den Oldie-Chor Glinde - Ihr habt heute so schön gesungen, ich habe es bis hierhin gehört und mir wurde ganz warm ums Herz... ;-)

Arrivederci, Ihr Lieben, trinkt einen Glühwein für mich mit - für Werner nicht, der muss noch fahren ;-)

Mani wastete yo ("Glück auf deinem Weg" in der Sprache der Lakota)

Eure pesla (Kahlkopf) und mihigna (mein Ehemann)

Tagestrip zu den Florida Keys

Donnerstag, 18.12.2014

Gestern haben wir einen Tages-Ausflug auf die Florida Keys gemacht. Unser Ziel war Key West an der Südspitze der Inselkette.

Zunächst ging es wieder durch die Everglades. An der Straße sah man Schilder mit der Aufschrift "Florida Panther crossing next 3 miles". Wir haben aber keinen der sehr scheuen und vom Aussterben bedrohten Tiere gesehen. Aber es kann schon mal vorkommen, dass sich ein Alligator auf dem warmen Asphalt der Straße sonnt. Bei einem früheren Besuch in Florida haben wir das schon erlebt. Eher zufällig machten wir an einem Visitor Center im Big Cypress National Preserve Halt und wurden mit einem tollen Anblick belohnt: Alligatoren hautnah, keine zwei Meter von uns entfernt, genauer gesagt: unter uns, denn sonst hätten wir wohl diese Fotos nicht gemacht (sie gleiten übrigens lautlos durchs Wasser, wie auf Schienen).

      Frau Alli und Herr Gator   Eine Runde schwimmen Wie weit traut sich der Vogel?Der Vogel unten links im Bild, ein Anhinga,tippelte langsam, vorsichtig, aber stetig auf den Alligator zu. Nichts passierte. Alligator satt?

Fische dösenFische, Hechte? ... sonnten sich unter der Wasseroberfläche gleich neben den Alligatoren. Offenbar wissen hier alle Lebewesen Bescheid, wann sie sich den urzeitlichen Tieren relativ gefahrlos nähern dürfen - nur die Menschen nicht, die sollten es lieber gar nicht auf einen Versuch ankommen lassen.

    Der hier war ca. 2 Meter lang

Im Big Cypress Swamp ist der Stamm der Miccosukee-Indianer beheimatet. Es gibt mehrere indianische Dörfer, die man besuchen kann. Dort wird Handwerkskunst gezeigt, Kultur und Rituale werden erklärt, es gibt ein Museum und ein Restaurant. Wir waren spät dran und verzichteten darauf, machten aber noch ein Foto vom Betonsockel eines Fahnenmastes an einer Miccosukee-Tankstelle: Man bevorzugt schwarz-rot-gold ;-)

                                                

Schließlich erreichten wir die Ausläufer von Miami und bogen gen Süden ab nach Key Largo (kleiner Einschub: Im Song "Kokomo" von den Beach Boys werden die Florida Keys und Key Largo erwähnt. Wie wäre es damit als Hintergrundmusik fuer diesen Blogeintrag?

Key Largo ist die Wassersport-Insel schlechthin. Man kann schnorcheln, tauchen oder mit dem Glasbodenboot die Unterwasserwelt erkunden.

Dann ging es weiter über die zahlreichen Brücken gen Süden. Die Florida Keys sind eine Korallen-Inselkette, deren Inseln durch 42 Brücken verbunden sind. Unter Wasser erstreckt sich das drittgrößte tropische Korallenriff der Welt. Die längste der Brücken ist die Seven-Miles-Bridge, gut 11 km lang mit nichts als blauem Himmel und in der Sonne funkelndem Meer drumherum ("Links der Atlantik, rechts der Golf von Mexiko", sagte Werner) Nebenan sieht man übrigens die einstige Eisenbahnbrücke, die alle Inseln miteinander verband und 1935 einem Hurrikan zum Opfer fiel. Man hat sie einfach so stehen lassen.

  Seven Miles Bridge      Eisenbahnbrücke                                                  

Viele Inseln sind bewohnt, manche haben richtig große Ortschaften. Einige sind mangrovenbewachsen, andere sind unbewohnt wie z. B. Bahia Honda Key, auf dem sich der Bahia Honda State Park befindet. Dort findet man naturbelassene Landschaft, ein paar Picknickplätze und tolle Strände. Die Inseln tragen zum Teil originelle Namen wie Zuckerhut, Kleine Taschenlampe, Mittlere Taschenlampe, Große Taschenlampe, Fiesta Key.

Aber die Florida Keys sind viel mehr. Man taucht ein in karibische Gelassenheit, tropische Wärme, Wasser ringsum, ein zurückgelehntes Lebensgefühl. Die Keys fühlen sich an wie Entspannung und Freizeit pur. Es gibt keine großen Häuser, kein Stadtleben, kein Gehetze. Vielmehr gleitet man von Insel zu Insel, bewundert die Schönheit der üppigen Vegetation, genießt die Brise, die vom Meer kommt (es roch nach Seetang), und je weiter man sich vom Festland entfernt und quasi auf's Meer hinaus fährt, umso mehr staunt und guckt man und ist zufrieden mit sich und der Welt. So geht es mir jedenfalls. Kein Stress.

Apropos: Wenn man in den USA unterwegs ist, unterschätzt man leicht die Entfernungen, weil man geneigt ist, Meilen mit Kilometern gleichzusetzen. Die Strecke von unserem Standort bis nach Key West, der südlichsten der Inseln, beträgt 294 Meilen, das sind 473 km oder gut fünf Stunden Fahrzeit - für eine Strecke. Wir waren schon öfter auf den Keys und wollten nur eine kleine Stippvisite machen, deshalb hatten wir zum ersten Mal keine Übernachtung eingeplant. Tiefenentspannt, wie wir sind, kamen wir etwas zu spät los, nämlich gegen halb Zehn, waren nachmittags in Key West, hielten uns bis halb acht dort auf und waren um ein Uhr nachts wieder zuhause.  Besser plant man ein, zwei Übernachtungen ein, damit man die vielen Schätze, die speziell Key West zu bieten hat, auch richtig genießen kann. Und damit man das sehr bunte Nachtleben mitbekommt.

Key West ist in jeder Hinsicht anders, und das liegt nicht nur daran, dass hier neben den Touristen, die zahreich kommen und gehen, alle möglichen Leute vertreten sind, Hippies und Querdenker, Aussteiger, Schwule und Lesben neben vielen anderen Typen. Die Stadt ist für ihre Toleranz und Akzeptanz bekannt und hat den Leitspruch "One Human Family" angenommen, um dem Wunsch, alle Menschen mit Respekt und Würde zu behandeln, Ausdruck zu verleihen.

Es gibt jede Menge wunderschöne Häuser (Fotos unten), das Flair ist tropisch, karibisch (Kuba ist nur 86 Meilen entfernt), pastellfarben, bunt, laut, schräg, aber auch verwunschen und still. Der Southernmost Point erinnert daran, dass hier der südlichste Punkt des US-Festlands ist.

quelle www.aida-weblounge.de

Auf dem ganzen Eiland laufen Hühner, braun und gesund und gut im Gefieder, herum. Ein Geheimtipp ist der Friedhof. Dort gibt es so manche kuriose, humorvolle, skurile Inschrift zu lesen z. B. "Ich hab dir doch gesagt, dass ich krank war" oder "Jetzt weiß ich wenigstens, wo er heute nacht schläft" zum Beispiel :D. Ernest Hemingway hat hier eine Zeitlang gelebt. Nicht auf dem Friedhof natürlich, sondern in einem im spanischen Kolonialstil erbauten Haus, das man samt dem Arbeitszimmer, in dem er einige seine Werke verfasste, sowie die zahlreichen Nachfahren seiner sechszehigen Hauskatzen besichtigen kann. Schön! Sehenswert!

Jetzt in der Vorweihnachtszeit sind viele Gebäude, besonders die Hotels und Bed & Breakfasts, blinkend und blitzend und kitschig-schön dekoriert. Die wenigen Fotos, die wir gemacht haben, sind nicht doll geworden. Aber vielleicht geben sie einen kleinen Eindruck wieder. Oft werden die Palmenstämme mit Lichterketten umwickelt, das sieht aus, als recken sich Spiralen in die Luft

     

Sloppy Joe's Bar ist eine der Bars, in der Ernest Hemingway zechte. So sah sie in den 1980ern aus: Genau wie heute: 

Viele Musikkneipen und Bars haben offene Türen und Fenster. Dort steigen schon mal Gäste auf den Tresen und wackeln zur Musik eher ausgelassen als lasziv mit den Hüften. Diese eher brav dastehende Dame war gerade fertig mit ihrer Performance und stand noch da 'rum, da hab ich fotografiert. Also nee... ;-)

Tresentänzerin

Wir schlenderten die Duval Street rauf und runter, kamen bei Willie T's vorbei, einer Musikkneipe, und zufällig gab es dort Live-Musik von Gerd Rube Hm, ein deutscher Name? Nie gehört! Ja, tatsächlich, ein deutscher Musiker, der in der Wintersaison auf Key West ein festes Engagement hat. Wenn ihr Nachtschwärmer seid (wegen der Zeitverschiebung), könnt ihr H I E R einen Live-Stream vom Willie T's sehen und hören (montags, dienstags, donnerstags und freitags Gerd Rube, an anderen Tagen andere Musiker)

Die Straßen von Key West sind gesäumt mit hübschen Häusern

  quelle_MagazinUSA.com Schnapsladen hat immer Konjunktur   

Im Hardrock Café waren wir auch. Hier Stiefel von Jimi Hendrix  Stiefel von Jimi Hendrix im Hard Rock Café Key West

Kurios und typisch für die Originalität der Insulaner ist auch, dass Key West eine eigene Republik ist. Am 23. April 1982 erklärte die Insel ihre Unabhängigkeit und rief eine eigene Republik, die Conch Republic, aus. Der Bürgermeister wurde zum Premierminister ernannt, man erklärte den USA den Krieg, kapitulierte allerdings eine Minute später bedingungslos und ersuchte um rund 1 Mrd. Dollar für den Wiederaufbau. Humor made in Key West. Da die Vereinigten Staaten niemals konsequent gegen die Conch Republic vorgingen, existiert sie noch immer. Der Unabhängigkeitstag, der 23. April, wird jedes Jahr ausschweifend und unkonventionell gefeiert, u. a. mit Drag-Queen-Rennen und der Nachstellung einer historischen Seeschlacht mit dem Flaggschiff "Wolf". Bewaffnung zur Verteidigung ist kubanisches Brot, Tomaten und Klopapier getreu dem Motto: "Die Linderung der Weltspannung durch die Ausübung von Humor". Eine Hymne gibt es auch, juhu! Und Steuern sind Fehlanzeige: "Wir glauben nicht an Steuern für die Conch Republic, wenn wir Geld brauchen schmeißen wir eine Party".  Dabei versteht sich die Conch Republic ohnehin eher als "State of Mind",  d.h. als Staat ohne territorialen Anspruch, friedliebend und humorvoll.

Das alles ist ganz nach meinem Geschmack, und mein kleines altes Hippie-Herz möchte jedes Mal, wenn wir dort sind, Bürger der Conch Republic werden. Das geht durchaus, man klopft beim Bürgermeister an, trägt sein Anliegen in friedlicher Absicht vor, und schwupps!... Aber ach, es kostet "Gebühren"! Scheint ganz so, als lege der Spaß beim Geld eine kleine Verschnaufpause ein ;-). Wie war das mit den Steuern? Wie auch immer, es hat dieses Mal wieder nicht geklappt. Vielleicht sollte ich auch besser vorbereitet sein und die Haare erstmal wieder wachsen lassen. Und die Hymne auswendig lernen. Die geht so - aber vorher: Aufstehen, Hände nicht an die Hosennaht, sondern fest auf den Hintern (den eigenen oder wahlweise den vom Nebenmann/frau. Das ist nicht meine Idee, der Hymnen-Komponist und -Sänger Michael McCloud will es so) und los geht es mit der Conch Republic National Anthem vom Erschaffer himself:

http://youtu.be/AtiZpbRGHZg

Eine weitere, vor Erlangung der Staatsbürgerschaft zu klärende Frage: In der Hymne ist viel von Bier, kubanischen Zigarren und schönen Frauen die Rede, wo bleib da ich? Und was zum Teufel sagt er, bevor er singt? Aber egal, wird sich alles klären, beim nächsten Mal (Vormerken: "If you're ever here in Key West, go to Schooner Wharf Bar and hear Michael McCloud sing it in person")

Viele liebe Grüße

Eure "Conch"uistadors

Werner und Helga

 

Manatees

Samstag, 20.12.2014

Moin zusammen,

aus gegebenem Anlass vorab die Erklärung, dass man alle Fotos anklicken und auf diese Weise vergrößern kann. Sorry, ich hatte das als selbstverständlich vorausgesetzt. Auch wurden wir einige Male gefragt, warum wir nicht die vollen sechs Monate, die uns das Visum erlaubt, hierbleiben. Die Antwort lautet: Sechs Monate wären wir geblieben, wenn wir ein Condo gefunden hätten. Ein Hauptgrund, warum wir eine Wohnung kaufen wollten, waren die von Januar bis April steil hochgehenden Hotel- und Apartment-Mietpreise. Es klingt verrückt, aber es amortisiert sich mit den Jahren, wenn man statt dessen etwas Eigenes hat. Da wir nun aber nichts gefunden haben macht es Sinn, bereits nach vier Monaten zurückzukehren.

Gestern sind wir nach Fort Myers gefahren und haben Ausschau gehalten nach Manatees, auch Seekühe genannt. Diese 2,5 bis 4 Meter langen, bis zu 1.500 kg schweren Tiere leben eigentlich in flachen, langsam fließenden Gewässern, im Brackwasser von Flussmündungen, in Süßwasserflüssen und küstennahen Salzwassergebieten. Wenn die Temperaturen dort unter 20 Grad sinken, werden sie krank, deshalb schwimmen sie in den Wintermonaten die Flüsse hinauf in wärmere Gewässer. Das warme Wasser des Auslaufkanals vom Kühlwasser des hiesigen Elektrizitätswerks bietet ihnen Schutz und Überlebensraum, deshalb tummeln sich an dieser Stelle besonders viele Exemplare. Leider haben wir nur ein paar Schatten und Bewegungen unter Wasser sehen können, deswegen ist die Fotoausbeute gering.

Beim Schwimmen heben die Manatees alle drei bis fünf Minuten ihre Nase aus dem Wasser, um nach Luft zu schnappen. Dann hört man ein leises Schnaufen, manchmal auch ein lustiges Glucksen und Sprudeln, als hätten sie Wasser ins falsche Nasenloch bekommen. Beim Tauchen kommen sie aber auch bis zu 20 Minuten lang ohne Luftholen aus. Im Crystal River nördlich von Clearwater kann man sogar mit diesen friedlichen Tieren schwimmen. Manatees haben keine Feinde. Lediglich Alligatoren können ihnen gefährlich werden. Und Menschen, denn leider erleiden Manatees immer wieder Verletzungen durch die Propeller von zu schnell fahrenden Motorbooten.

Seekühe gibt es schon seit mindestens 50 Millionen Jahren. Früher, als sie noch Vierbeiner waren, konnten sie sich noch an Land bewegen. Sie sind am nahesten mit Elefanten verwandt. Wie diese fressen Manatees große Mengen Grünzeug (90 kg am Tag, vorwiegend Seegras, Algen und anderen Wasserpflanzen sowie Blätter von Mangrovenbäumen, sofern sie diese erreichen können). Die Schnauze eines Manatee ist zwar viel kürzer als ein Elefantenrüssel, aber die Lippen funktionieren ganz ähnlich, sie greifen Pflanzen und schieben sie ins Maul. Baby-Seekühe bleiben die ersten zwei Jahre bei der Mutter, soweit man weiß, ist es ist die einzige enge Beziehung, die Manatees untereinander eingehen.  

Eingang                      sieht aus wie ein Alligator-Körper, ist aber eine Seekuh      Verwandte     süß, nicht?                          Ganz schön groß                                                                              Schmusezeit     

Noch ein paar Schnappschüsse, aus dem Auto auf der Rückfahrt gemacht:

     Latin Beauty Salon

     Weihnachtlich geschmückt Hübsch-hässlich           Fort Myers Kunsthalle kleine Mall

 

Dies war nur ein kurzer Eintrag. Das passt, denn bei euch ist morgen schon der 4. Advent und vermutlich stecken die meisten mitten im Endspurt der Weihnachtsvorbereitungen.

Viel Spaß dabei wünschen

Eure Floridianer

Merry Christmas

Donnerstag, 25.12.2014

So this is Christmas
And what have you done
Another year over
And a new one just begun
And so this is Christmas
I hope you have fun
The near and the dear ones
The old and the young

A very merry Christmas
And a happy New Year
Let's hope it's a good one
Without any fear

And so this is Christmas (War is over)
For weak and for strong (If you want it)
For rich and the poor ones (War is over)
The road is so long (Now)
And so Happy Christmas (War is over)
For black and for white (If you want it)
For yellow and red ones (War is over)
Let's stop all the fight (Now)

A very merry Christmas
And a happy New Year
Let's hope it's a good one
Without any fear

So this is Christmas (War is over)
And what have we done (If you want it)
Another year over (War is over)
And a new one just begun (Now)
And so Happy Christmas (War is over)
We hope you have fun (If you want it)
The near and the dear one (War is over)
The old and the young (Now)

A very merry Christmas
And a happy New Year
Let's hope it's a good one
Without any fear

War is over if you want it
War is over now

(Writer(s): John Lennon, Yoko Ono)

FRÖHLICHE WEIHNACHTEN

EURE FLORISTEN

Weihnachten geschafft

Freitag, 26.12.2014

Geschafft! Es war gar nicht so übel - dafür, dass wir Heiligabend im Hotelzimmer saßen, bei 27 Grad Wärme, starkem Wind und grauem, verhangenem Himmel. Ich finde ja eigentlich, dass zu Weihnachten zwangsläufig Dunkelheit und Kälte draußen, Wärme und Kerzenlicht drinnen, Tannenduft, Weihnachtsgebäck und Freunde und Familie gehören. Das alles fehlt hier. An solchen Tagen machen sich auch die verschiedenen Zeitzonen bemerkbar. Wenn wir noch beim Frühstück (10 Uhr morgens) sitzen, werden in Deutschland (vier Uhr nachmittags) schon die ersten Kerzen angezündet. Bei Arne in Neuseeland ist es auch vier Uhr, allerdings nachts, dafür ist man uns dort einen Tag voraus.

Heiligabend war dann doch schöner als erwartet. Wir aßen Werners Lieblingsgericht Spaghetti Bolognese, und am Nachmittag gönnte ich mir ein Stück Key Lime Pie. Säuerliche Limettenfüllung unter süßer Hülle. In dem Spiegel-Artikel Ein Kuchen, ein Lebensgefuehl ist zu lesen: "Der moderne Key Lime Pie braucht wenige Grundzutaten: einige Eigelbe, ein Kännchen Dosenmilch und eine halbe Tasse Limettensaft. Die Kruste wird aus Crackern oder Butterkeksen (Anmerkung:  bei mir waren noch Mandelblättchen dabei) zubereitet, das Topping aus Schlagsahne oder Baiser."  Key Lime Pie Quelle giga.de   Mmmh, lecker!

Aus dem reichhaltigen Plastik-Angebot made in China hatten wir ein Miniatur-Bäumchen beschafft (sogar mit Schnee! ;-) ), winzige Kugeln und Glasfiguren 'reingehängt, drei Batterien 'rein und voilà - fertig war das Bäumchen, passend zum Sturm ein wenig zerzaust. Im so beleuchteten Zimmer haben wir dann, Youtube sei Dank!, Weihnachtsmusik gehört, und, was soll ich sagen, es kam tatsächlich so etwas wie Weihnachtsstimmung auf. Später unterhielten wir uns dann per Skype mit Arne und AK, und so wurde es ein in Anbetracht der Umstände ein recht rundes Weihnachtsfest. Es zeigte sich: Dunkelheit, Kerzenlicht, Weihnachtsschmuck sind schon die halbe Miete. Richtig schön wird es, wie überall auf der Welt, durch die Kommunikation mit der Familie und, ganz wichtig, die traditionellen Weihnachtslieder, deren Vertrautheit und Schönheit an anderen Weihnachtsabenden im Trubel schon mal ein wenig auf der Strecke bleibt.

Die Amerikaner hier sind auch an Weihnachten eher leger unterwegs. Außer einem jungen Mann im Anzug, vermutlich auf dem Weg zur Kirche, sah man Bermudas, Sandalen und Strandkleidung wie an jedem anderen Tag. Einige trugen beim Spazierengehen rote Weihnachtsmützen mit Bommel. Sogar ein paar Harley-Fahrer fuhren heute mit der schmucken Kopfbedeckung herum (Apropos: Helm ist hier die Ausnahme, 90% fahren ohne). Wir haben auch eine Mütze gekauft, neulich schon, als die Haare noch lang waren 

Die Rückseite trägt übrigens die Aufschrift "Bah Humbug" (vielleicht nach der Dickens-Weihnachtsgeschichte?). Das gefällt mir. Ich stelle mir vor, der  Weihnachtsmann steht vor den Kindern und fragt sie, ob sie auch immer hübsch brav waren usw. - und wenn er sich umdreht, steht da "Bah Humbug" :D                                                           

     Weihnachten light

Am Strand werden keine Sandburgen gebaut, sondern Sand-Schneemänner, die auch so eine Mütze tragen. Und das Weihnachtslied, das hier gefühlt am häufigsten aus den Lautsprechern schallt, ist "Let it snow". Die Sehnsucht nach dem, was man nicht hat. Vor Jahren haben wir in Florida bei Sommertemperatuen im Dezember auf einem Weihnachtsmarkt einen großen echten Schneeberg gesehen, der extra per Kühl-LKW herangekarrt worden war. Davor hatten sich lange Schlangen gebildet (ab hier noch 20 Minuten...). Wer dran war, durfte einmal einen Schneeball gegen eine Wand werfen und hat sich darüber gefreut wie - ja! wie ein Schneekönig.

Übrigens ist hier heute der einzige Weihnachtsfeiertag, morgen ist schon wieder Alltag. Mehrfach wurden wir gefragt, ob man bei uns zuhause wirklich drei Tage lang Weihnachten feiert.Gestern Abend war Christmas Eve, da werden die Strümpfe aufgehängt, viele gehen in die Kirche. Über Nacht kommt Santa Claus, und am Morgen finden alle ihre Geschenke im Strumpf und/oder unter dem Baum. Weihnachten ist eine Mischung aus verschiedenen Bräuchen. Aus Deutschland der Weihnachtsbaum, aus England die Strümpfe und der Mistelzweig, aus Südamerika das Schmücken des Kamins mit Weihnachtssternen. Und gefeiert wird eher fröhlich als besinnlich.

So, das war es mal wieder von hier.

Wir hoffen, ihr habt/hattet ein besinnliches, fröhliches, friedliches Fest und es geht euch gut.

Nachweihnachtliche Grüße

von Euren Floristen

P. S. Ein fettes, herzliches Dankeschön für die zahlreichen Glückwünsche zum Geburtstag! Ich freue mich, nun dem "Club mit der 6 davor" anzugehören.

Guten Rutsch!

Dienstag, 30.12.2014

Moin in die Heimat oder wo immer ihr uns lest,

wir liegen/stehen/sitzen faul herum. Es scheint, als flösse alle Energie zum Jahresende auf Sparflamme. Mit ein paar Schnappschüssen von Autokennzeichen wünschen wir euch einen guten Rutsch und ein frohes und gesundes neues Jahr!

Love & Peace & Schokolade

           Eure Floristen

 (Gestern sahen wir ein Auto, das Riesenwimpern über den vorderen Scheinwerfern hatte)    

 

Jahreswechsel - Hello Goodbye

Montag, 05.01.2015

Goodbye altes Jahr! Hello neues Jahr! Unser Silvestertag begann morgens um kurz vor 6 Uhr. Da war es Zeit, um Arne Neujahrsgrüße zu übermitteln, denn in Neuseeland war bereits Mitternacht. Danach schliefen wir noch eine Runde, ehe wir nach dem Frühstück spazieren gingen.

Fort Myers Beach auf Estero Island, wo unser Hotel liegt, ist der Stadt Fort Myers vorgelagert. Die Insel ist 800 m breit und 10 km lang. Wir wohnen am Nordende. Von dort kann man bequem zu Fuß sowohl zur ruhigen, naturbelassenen Inselspitze, als auch in die andere Richtung zum lebhaftenTimes Square mit seinen Geschäften, Bars und Restaurants gehen. Hier ein paar Eindrücke auf dem Weg Richtung Nordspitze

Der schönste Durchgang zum Strand    Oldtimer   noch einer       

Überhaupt begegnet man hier, ganz untypisch für die USA, sowohl vielen Einheimischen als auch Touristen, die zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs sind. Es fährt aber auch ein Trolley Bus für die Faulen, Müden, Kranken und Fußlahmen. Es gibt übrigens viele Busse mit Hybrid-Technik. Nur die Überland-Stromleitungen sind für unsere Augen immer noch gewöhnungsbedürftig.

Hybrid-Bus     

Wie so oft landeten wir zuerst am beschaulichen Südende mit dem Bowditch Point Park, von dem wir schon berichtet haben, und wanderten dann am Strand entlang

Pink Shell - ein Trumm von Hotel Das größte Hotel am Strand, ein richtes Ungetüm Do the Schlurftanz  Do the Schlurftanz :D  

 

Sand-Dinos und Schneemann           

Sand-Dinos   Schnee-Sand-Mann

 

Hier noch ein wenig Abendstimmung am Strand:

         Strandhäuser                  

zum kleinen Times Square. Den ganzen Tag lang gab es dort Live-Musik, Kinderbelustigung und kostenlose Cupcakes. Wir sichteten sogar wie beim echten Times Square in New York eine Glitzerkugel, die pünktlich um Mitternacht an einer Stange mitten auf dem Platz heruntergelassen werden sollte. Man sagte uns augenzwinkernd, dass es von oben Kokosnüsse prasseln würde, sollte der Ball unterwegs steckenbleiben, und das bedeute dann nichts Gutes für das neue Jahr. Es war erst Mittag, aber die Autokarawane strömte bereits unaufhaltsam über die Brücke auf den Beach. Alle wollten das neue Jahr am Strand begrüßen. Wir wandten uns dem Hafen zu und kehrten erstmals bei Nervous Nellie's, der Nervösen Nellie ein.

Die Nervöse Nellie von hinten  

Ein Erlebnis! Casual Dining für die ganze Familie, drinnen und draußen, wo man einen herrlichen Blick auf den hauseigenen Anlegesteg hat und den Booten beim An- und Ablegen zusehen kann.

Im oberen Stockwerk gibt es die Ugly's (= Häßlich) Waterside Bar mit dem Motto "The place where everyone gets prettier" (Der Ort, an dem jeder schöner wird). Dort ist immer Happy Hour - all day, every day. Auf halber Treppe lockt dies Schild mit der Aufschrift: "Auf halbem Weg zur Schönheit"

 

. Wir nahmen uns die Schönheitskur für einen anderen Tag vor und blieben unten.

Wie üblich bekamen wir einen Tisch zugewiesen, an den nach kurzer Zeit unsere Bedienung trat, eine runde, von der Hitze etwas mitgenommene Frau um die 50 mit einem herzlichen Lächeln. Statt der üblichen Floskel "Ich heiße Sowieso und bin heute Ihre Bedienung, darf es schon etwas zu trinken sein?" putzte sie erstmal den ohnehin sauberen Tisch noch sauberer, fragte uns nebenher, wie wir das Wetter fänden und woher wir kämen und ob das da draußen nicht eine richtig schöne Aussicht sei? Trotz ihre mütterlichen Art und ihrer Beleibtheit hatte sie etwas Feines, Leichtes, und als sie fertig war mit Plaudern und Wischen nahm sie gemächlich unsere Getränkewünsche auf, trat dann einen Schritt zurück (ich dachte, sie dreht gleich eine Pirouette und macht 'nen Knicks) und sagte, die Hand auf dem Herzen wie beim Absingen der amerikanischen Nationalhymne und strahlend wie die Sonne, die zum Fenster hereinschien: "I am Angie." Positiv - ich denke bei dem Namen nie an die Kanzlerin, sondern immer an den Song der Rolling Stones - H i e r kann man ihn hören (btw, seltsam inszeniertes 70er Jahre Video, die Macher konnten sich wohl nicht zwischen Flower Power und Coolness entscheiden) - Mick Jagger mit goldenen Fingernägeln, überall rosa Rosenblüten, Keith Richards wie immer ganz bei der Musik. Und wie JUNG sie sind..!

Äh... wo war ich stehengeblieben?...Ja. Wir bestellten viel zu viel zu Essen, weil Angie uns mit Leidenschaft aufzählte, was die Küche zu bieten hatte und uns dabei das Wasser nur so im Mund zusammenlief. Allein die Dips für den Salat! Bestimmt acht, neun verschiedene, die sie vortrug, als lese sie ein Gedicht. Von Honey-Mustard über Lemongrass creamy bis... gewählt haben wir Mango Chili, was wirklich toll schmeckte. Da es etwas dauerte, bis das Essen kam, erschien Angie immer mal wieder. Wie eine echte Gastgeberin richtete sie hier etwas, fragte dies und das, erwähnte, dass ihre Familie in Virginia lebte, sie aber das weit bessere Los mit Florida gezogen habe, und summte vergnügt ein Liedchen an, als ich etwas sagte, das ihr wohl als Stichwort dazu diente. Inzwischen hatten am Nebentisch ein Grüppchen Platz genommen, und einer der Herren fragte sie zur Begrüßung: "Are you Nellie?" Darauf Angie: "Are you nervous?" Ich bekam den frischesten Fisch der Welt serviert, den man sich denken kann, perfekt zubereitet. Es gibt hier unter anderem die Zubereitungsart "blackened", die sehr empfehlenswert ist. Hier die Beschreibung dazu: http://en.wikipedia.org/wiki/Blackening_%28cooking%29 . Dazu wählten wir Kartoffelbrei - fein und butterig, mit kleinen Porreestreifen drin und sehr aromatisch! Am Ende schaufelten wir sämtliche Reste in zwei große (!) und den Salat in eine kleine Mitnahme-Box. Angie brachte Deckel für die Dip-Schälchen, verabschiedete sich, strahlte, sagte "Danke" und "Bis bald" und drückte uns beide spontan an ihren warmherzigen, üppigen, schwitzenden Busen.

Gegen halb zwölf nachts gingen wir an den Strand direkt vor unserem Hotel. Von dort hatten wir einen grandiosen Ausblick auf ein fantastisches Feuerwerk, mit dem das neue Jahr auf der Seebrücke vom Times Square begrüßt wird. Die ganze Küste entlang schaukelten und schwebten Dutzende großer farbiger Papier-Laternen sanft hinaus in den schwarzen Nachthimmel über dem Meer,

Gar nicht so leicht, das Papier nicht zu verbrennen  

Boote reihten sich wie Perlen an einer Kette auf dem Wasser aneinander, hier und da leuchtete ein Lagerfeuer (eigentlich zu warm dafür, aber vertraut und gemütlich), eine Gruppe junger Leute hörte Musik aus dem Ghettoblaster (Rap, zum Glück nicht zu laut...), und um zwölf ging das fulminante Feuerwerk los.

  fluoreszierende Reifen

Wir waren einem Feuerwerk noch nie so nah, es war, als regneten all die Kaskaden von Farbe und Licht, die Glitzer-Fontänen und Diamantberge direkt auf uns nieder.

Was mir ein bisschen ringsum fehlte: Das Feierliche. Leute, die sich küssen, Gläser, mit denen angestoßen wird, leider kein Sekt um Mitternacht, denn Alkohol am Strand ist nicht erlaubt..., Umarmungen und gute Wünsche. Und irgendwie hoffte ich, dass man hier, wie im englischsprachigen Raum üblich, zum Jahreswechsel das schöne "Auld Lang Syne" anstimmt. Aber nix da. Naja, für derart Traditionelles haben die Amis wohl nicht so die Ader, jedenfalls nicht hier im Süden. Statt dessen Rap aus dem Ghettoblaster, da kannste nix bi moken... Komischerweise hatte ich einen Janker auf Berliner. Sonst bin ich darauf gar nicht so scharf, aber hier hab ich sie echt vermisst. Alles in allem hatten wir es sehr schön.

Wir haben nun all die Feiertage in der Fremde ganz anständig hinter uns gebracht und blicken voller Vorfreue auf das noch neue Jahr 2015. Dass es Euch allen Freude, Zufriedenheit und gute Gesundheit schenken möge, das wünschen Euch von Herzen

Eure Floristen

Ford's Garage, Sport und Spiel

Freitag, 09.01.2015

Hallo nach good old Germany!

Kürzlich sind wir abends in Downtown Fort Myers gewesen, um mal ein wenig städtische Abendstimmung zu schnuppern. Aber Sonntag war wohl der falsche Tag. Obwohl es erst 19 Uhr war, wirkte die Innenstadt bis auf eine kleine Flaniermeile mit (geschlossenen) Geschäften und Restaurants wie ausgestorben. Nur Essen geht hier immer, die Lokale sind morgens, mittags und abends voll, egal an welchem Wochentag. Wir gingen in die rustikale Ford's Garage

Der Name Henry Ford begegnet einem in Fort Myers öfter, denn der Begründer der Autofirma hatte in Fort Myers ein Haus, in dem er die Wintermonate verbrachte und wo er mit seinem engen Freund Thomas Alva Edison, dem berühmten Erfinder, Tür an Tür wohnte. Das Anwesen inkl. Museum und Botanischem Garten kann man übrigens besichtigen.

In "Ford's Garage" gerieten wir zwischen begeisterte Einheimische, die ein American Football-Spiel auf den großen Bildschirmen im Lokal verfolgten. Das ist das Spiel, das (für mich) immer aussieht, als rennen die Mannschaften, ausgestattet mit dick gepolsterten Klamotten und Helmen mit Gitter vor der unteren Gesichtshälfte, aufeinander los, um sich wild zu verknäulen, während einer mit einem eiförmigen Ball davonrennt und versucht, ihn über eine bestimmte Linie zu bringen. Um uns herum brachen immer wieder Begeisterungsstürme los, deren Ursache sich uns trotz eifrigen Betrachtens der Vorgänge auf dem Bildschirm nicht recht erschließen wollte. Na, vermutlich kapiert ein Amerikaner, wenn er mit Deutschen Fußball guckt, auch nicht auf Anhieb, warum alle plötzlich aufgebracht "Abseits!" schreien, obwohl auf dem Feld bloß ein Ball von einem zum anderen geschossen wird...

Wie schon erwähnt ist es schwierig hier, nach dem Essen einfach noch ein bisschen zu sitzen und dem Treiben ringsum zuzusehen, denn nach dem Essen kommt die Rechnung, und trotz "Take your time, don't rush" fühlt man sich natürlich bemüßigt, spätestens nach ein paar Minuten zu gehen. Die Bar, an die man sich hätte setzen können, um noch ein Glas zu trinken und das Geschehen ringsum zu verfolgen, war voll besetzt. Es gab übrigens 200 Biersorten oder so...

Der Restroom des Restaurants war sehenswert. Wann kann man das schon mal von einer Toilette behaupten? Zuerst dachte ich, ich wäre bei den Männern gelandet, denn die Ausstattung sah ausgesprochen männlich aus, aber dann fand ich es richtig witzig:

Die Waschbecken

     Türgriff

Tja, und manchmal hab ich wirklich Tomaten auf den Augen, denn ich habe doch tatsächlich das Auto, einen alten Ford in Originalgröße, der über der Bar hing, überhaupt nicht gesehen! Das muss an der Tiefenentspannung liegen ... ;-)

Übrigens werden wir hier noch zu Minigolf-Champions. Ich finde Minigolf toll (ja, lacht nur! ;-) ) und stand mit dieser Leidenschaft bisher ziemlich allein da, aber Werner hat hier zu meiner Freude auch seinen Spaß daran entdeckt, was nicht zuletzt an den schönen Minigolf-Plätzen mit viel Platz, origineller Deko und viel Schatten, und den anders konzipierten Feldern und Hindernissen liegt. Hier ein paar Fotos vom Castle Golf , wo wir nun schon zum wiederholten Mal waren. Wenn man ein Feld mit nur einem Schlag schafft, darf man am Glücksrad drehen, und wenn die Nummer des Feldes erscheint, bekommt man einen Jeton für ein Freispiel, den man zu einem beliebigen Zeitpunkt einlösen kann. Wir haben auf diese Weise schon zweimal umsonst gespielt.

Zebrastreifen Zebrastreifen weil "Gecko crossing"

Vor dem Spiel bitte den Schnee von den Füßen klopfen

 

Zu guter Letzt: Solltet Ihr jemals nach Southwest Florida kommen, müsst Ihr unbedingt einen Ausflug nach Sanibel Island machen. Davon in Kürze mehr.

Für heute verabschieden wir uns, geschockt über den Anschlag in Paris, mit den Worten

"Je suis Charlie"

Eure Floridianer

 

Sanibel und Captiva - Natur und Luxus, verrückt!

Sonntag, 11.01.2015

Reisender, wenn du nach Southwest Florida kommst, nimm dir unbedingt Zeit für einen Ausflug nach Sanibel und Captiva Island. Von Fort Myers geht es über eine Brücke (mautpflichtig, 6 Dollar, die Rückfahrt ist frei) auf die Insel. Und sofort taucht man ein in eine grüne Oase. Feiner, weißer Strand und türkisblaues Meer auf der Golfseite, Mangrovenwälder an der Ostküste der Insel. Kein Haus darf laut Stadtverordnung höher als die höchste Palme sein. Entlang der Rad- und Wanderwege kann man die Umgebung näher kennen lernen, vieles wurde zum Schutzgebiet erklärt.

Leider funktioniert unsere Kamera seit Wochen nicht mehr zuverlässig, sodass wir fast alle Fotos mit dem Handy machen müssen. Weiter unten seht ihr die Ausbeute, hier aber vorab ein Link zu einem anderen Urlaubsblog, in dem sehenswerte Fotos besonders vom Wildlife zu sehen sind: http://www.arizonas-world.de/html/sanibel.html

Der Strand von Sanibel ist berühmt für spektakuläre Muschelfunde. Da die Insel an einem Ende einen Haken formt, landen hier einzigartige und seltene Muscheln, die aus der Karibik angeschwemmt werden. Entsprechend viele Menschen wandern schon früh morgens den Strand auf der Suche nach schönen Exemplaren ab. Ich musste übrigens unbedingt ein paar Schritte ins Meer machen, um eine alte Unsicherheit loszuwerden. Vor Jahren war ich auf Sanibel durch knietiefes Wasser gewatet, als mich plötzlich unter Wasser ein wuchtiger Schlag an der Wade traf. Ich hab mich fürchterlich erschrocken und war in null-komma-nix aus dem Wasser. Vielleicht war es die Schwanzflosse eines Fisches, den ich in dem aufgewühlten Wasser gestört hatte, jedenfalls hatte ich einen Bluterguss an der Stelle. Seitdem gehe ich (außer an der Ostsee, da gibt es ja zum Glück keine solchen Überraschungen) nicht mehr so unbefangen in fremden Meeren baden.

Mautstation       Sanibel Causeway        Blick auf Sanibels Südspitze

       Der Insel-Laden              Mini-Einkaufsmeile Patriotischer Beauty-Salon     She Sells Sea Shells :D

                                                                 She Sells Sea Shells

                          American Legion - Hilforganisation für Veteranen      Zaun-Gast  

Riesenchristbaumkugeln:

Baum mit Christbaumkugeln    

    

Mit seinem sicheren Instinkt entdeckte Werner eine kleine Stichstraße, die in einer eindrucksvollen Zufahrt zu einem Yachthafen mündete.

Einige Motoryachten standen zum Verkauf auf dem Gelände herum, und getreu Werners Motto: "Fragen kostet nichts" erkundigte er sich beim Personal in der angrenzenden Werfthalle, ob wir das (teuerste) Schiff, eine niegelnagelneue 700.000-Dollar-Yacht, mal ansehen dürften. Klar, sogar ohne Begleitung, aber bitte die Schuhe ausziehen. Ein Sahnestückchen (die ersten drei Fotos sind von der Website www.yachtworld.com)

            

           

Der Steuerstand war so hoch, da hätte ich ein Podest gebraucht, um überhaupt aus dem Fenster sehen zu können - "Klar voraus?"  "Nein!!!" :D

Geschwind wandten wir uns den kleineren Bötchen zu, aber selbst dieser kleine Hutschefidel hier

nur Sommer-tauglich    

sollte knapp 190.000 Dollar kosten. Ohne Bett, ohne Küche, grad mal ein paar Sitze und ein Dach über dem Kopf, also nee! Aber Motorleistung und aufwändige Herstellungsverfahren sind eben teuer. Zwei Außenborder sind hier gang und gäbe, des öfteren sieht man schon drei oder vier. Verrückt.

Am Nordende von Sanibel führt eine kleine Brücke auf eine weitere Insel, Captiva Island. Hier sieht man (noch mehr) Luxus pur. Stellt euch Blankenese in tropischer Umgebung vor, und legt dann noch 'ne Schippe drauf. Übrigens: Bei Tante Wiki las ich, dass die Insel bekannt dafür ist, dass hier viele ehemalige CIA-Mitarbeiter wohnen. Verrückt, irgendwie... Einer der bekanntesten Einwohner der Stadt und ehemalige Bürgermeister ist ein 2006 zurückgetretener CIA-Direktor namens Porter Johnston. Vielleicht wohnt er, dank fürstlicher Abfindung jetzt hier?:

Wir entdeckten in der Ferne ein Haus, dass uns richtig gut gefiel. Das gelbe hinter den Hecken:

  Beim Näherkommen sahen wir... 

...dass es recht groß war, aber - verrückt! - ... es handelte sich "nur" um ein "kleines" Gästehaus, denn dahinter befand sich das eigentliche Anwesen mit einem weiteren Haus (links) und dem Haupthaus (gaaaanz hinten, geradeaus):

Mann, Mann, da muss eine alte Frau lange für stricken...

Apropos Geld und Luxus: Das Verhältnis der Amerikaner zu Geld ist sehr sachlicher Natur. Während Politik und Religion eher Privatsache ist, über die man nicht öffentlich, sondern nur mit guten Freunden und in der Familie spricht, geht man mit dem Thema Geld ganz offen und selbstverständlich um, ohne Ungerechtigkeitsgefühle oder gar Neid. Im Blog von Roland Kopp-Wichmann liest man dazu das folgende: "Kommt man in Amerika in ein Gespräch über Berufliches, ist die Frage "How much money do you make?" eine interessierte Frage unter vielen. Und egal, welche Antwort man gibt, bekommt man ein Feedback dazu. Fährt man dort ein teures Auto, sind neugierige Fragen und anerkennende Kommentare die Regel." Man geht hier einfach davon aus, dass jeder für sein Geld hart arbeitet, egal, ob es sich um den Kellner im Bistro oder um den Direktor der Eisenbahngesellschaft handelt, und zollt jedem Respekt dafür.

Nochmal apropos. Am nächsten Tag beim Minigolf stand dies Auto auf dem Parkplatz (die Fahrerin war übrigens Deutsche). Recherchen ergaben, dass es sich um die dänische Marke "Fisker" handelt, der mit kleiner Auflage (sagt man so bei Autos?) kein langes Leben beschieden war. Jedenfalls stellte sie ihre Produktion vorübergehend ein. Bleibt die Frage: Wo lässt die Dame reparieren, wenn mal was defekt ist? Muss dann ein Restposten Ersatzteile aus Dänemark eingeflogen werden? Wie auch immer, schick sieht er aus:

      Fisker   

Und bei einem Spaziergang entdeckten wir Kakteen-Schlangen. Bisschen gruselig, fand ich.

                                                 

So, das war es wieder für heute. Bei uns kommt langsam Abschiedsstimmung auf. In gut einer Woche fliegen wir nach New York, eine Woche später geht es back home

Sowohl den Daheimgebliebenen als auch den Reisenden eine gute Zeit

wünschen

die Floristen

And how are you?

Samstag, 17.01.2015

Heute sind wir 101 Tage hier, und als wollte das Wetter uns den Abschied leichter machen, ist es seit gestern recht kühl und windig, und so soll es auch bleiben.

Wir wollen in den drei verbleibenden Tagen noch ein paar Lieblingsplätze aufsuchen, Abschied vom "peaceful, easy living" nehmen und unsere Koffer packen. Sachen, die wir nicht mit zurück nehmen, bringen wir zum Donation Drop-Off, wo man Kleidung, Schuhe und Sachspenden für Bedürftige abgeben kann.

New York City wird der totale Gegensatz zu dem heiteren, tropisch-karibischem Leben hier. Wir waren zweimal da, zuletzt im Jahr 2000. Ich bin gespannt auf die Stadt, die, glaubt man Frank Sinatras "New York, New York", niemals schläft (Ha! Sie schläft doch, aber nur ganz kurz - ich habe es mit eigenen Augen in einer schlaflosen Nacht gesehen! :D )

Aus den Floridays werden also die New York Days, denn dieser Blog soll bleiben, bis wir wieder in HH sind. Aber ich hab keine Ahnung, wieviel Zeit und Gelegenheit dafür übrig bleibt.

In den "Floridays" haben wir Erlebnisse und Momentaufnahmen aus unserer tollen Zeit hier festgehalten. Aber natürlich ist es nicht die ganze Geschichte. Die Condo-Suche z. B. hat einen viel breiteren Raum eingenommen als hier dargestellt. Beim Kauf läuft vieles ganz anders ab als bei uns. Besonders spannend ist, dass jeder die Daten für jedes zum Verkauf gelistete Objekt inkl. aller vorherigen Eigentümerwechsel mit Datum und genauem Verkaufspreis online öffentlich einsehen kann. So konnten wir z. B. nachlesen, dass das Condo, für das wir im Oktober 2014 ein Angebot abgegeben hatten, vom Verkäufer erst wenige Monate zuvor gekauft worden war - und zu welchem Preis! Er hat renoviert, neu möbliert und das Objekt schließlich für knapp 22 Prozent mehr verkauft. Wenn man die Renovierungskosten bedenkt und die Tatsache, dass der Verkäufer sämtliche Kauf-Nebenkosten trägt, haben in diesem Fall sicherlich sowohl Käufer als auch Verkäufer ein faires Geschäft gemacht.

Wer mehr zum Ablauf und dem ganzen Drum und Dran wissen will (es gibt ja einige Interessierte) fragt uns am besten persönlich oder sendet uns eine kurze Mail.

Am Wochenende kommen noch ein paar Rest-Fotos. Hier erstmal noch ein paar Eindrücke aus unserer Zeit hier:

- Da war Coco, der Papagei in der Hotellobby, der während unserer Zeit hier nichts anderes als "Hello" sagte. Aber einmal, da lachte und kicherte er wie ein Trupp angeschickerter Kaffeekränzchen-Ladies. Ansteckend.

- Man sieht überall Kinder, erfrischend viele Kinder. Familien sind oft zu viert oder zu fünft.

- Viele Leute stehen im Pool nur 'rum, wenige schwimmen, und wenn, dann einmal hin, einmal her, und wieder 'raus.

- Niemand zieht sich öffentlich um, alle liegen in nasser Badekleidung stundenlang da.

- Wir haben etliche Leute gesehen, die sich, verflixte Tat!, doch tatsächlich in aller Öffentlichkeit geschneuzt haben. Also, Feuer frei!

- Viele Paare haben Hunde, die sie gern öfter mal in Kinderkarren herumfahren und denen sie Designer- oder selbstgefertigte Bekleidung anziehen. Hat Frau Hund, hat Mann meist auch Hund.

- Da die Amerikaner oft nur wenig Ahnung von Europa haben und vor allem England und Frankreich unterscheiden können, während Deutschland, die Schweiz und Österreich gern in einen Topf geworfen wird, haben wir seit Jahren für den Fall, dass wir mal in einen größeren Fettnapf treten sollten, den Spruch "Pardon, wir sind aus Finnland, da macht man das so" parat. Haben wir aber noch nie gebraucht (oder nicht gemerkt, dass wir es gebraucht hätten.)

- Viel mehr alte Menschen als bei uns arbeiten wenigstens stundenweise oder ehrenamtlich (Schulbus fahren, Verkehr leiten, Kassieren, Bedienen, Info-Zentren, Museen etc.). Und viele Behinderte, auch mit schweren Behinderungen, sieht man in öffentlichen Jobs. Gut so.

- Die Menschen hier sind geduldig, sie drängeln nicht. Im Straßenverkehr, in der Warteschlange, wenn man etwas nicht kapiert, wenn etwas nicht funktioniert. Es heißt oft "Danke für Ihre Geduld", und in Warteschlangen ergibt sich immer ein Schwätzchen, wenn man es will.

- Die Amerikaner sagen alle Nase lang "Excuse me". Man ist höflich. Wenn sie dir auf einen dreiviertel Meter nahe kommen, wenn sie im Supermarkt deine Spur queren, sogar, wenn DU es eilig hast und ein bisschen zu schnell bist: "Excuse me." Geduld auch hier. Es wird nicht überholt, es wird gewartet, auch wenn es fünf Minuten dauert, bis die Dose Erbsen aus dem oberen Regal geangelt ist. Sie erschrecken geradezu, wenn du schneller als die anderen mit deinem Einkaufswagen auf sie zukommst und kurz vorher abrupt abbremst und / oder die Richtung änderst. Eine Frau sagte tatsächlich: "You scared me!" (Sie machen mir Angst!). Bisschen schreckhaft, vielleicht, aber andererseits niemals grob oder hemdsärmelig.

- Das Essen in den Restaurants ist besser als sein Ruf. Und in den Läden und auf den Farmer's Märkten gibt es jedes Gemüse und Obst, das das Herz begehrt. Ebenso Fleisch, das durchweg von guter Qualität (und recht teuer) ist. Nicht so dolle sieht es bei Wurst und Käse aus, und Vollkornbrot ist Fehlanzeige. Allerdings gibt es inzwischen wenigstens Brötchen und knusprige Baguettes sowie (helle) Mehrkorn-Brote, die lecker schmecken. Wein ist sowohl im Laden als auch im Restaurant durchweg teurer als bei uns, selbst der einheimische aus Kalifornien.

- Interessante Erkenntnis: Ich kann endlos lange bewegungslos auf dem Wasser im Pool rumliegen ohne unterzugehen. Seltsam, aber ein angenehmes Gefühl. Werner wundert sich und grinst und behauptet, das läge "an der Physik" (ich glaube, das ist eine freundliche Umschreibung für "Fett schwimmt oben"), oder aber - mit einem Augenzwinkern - es läge am "amerikanischen Wasser". Eine Frau, die mich vom Hotel-Balkon aus beobachtete, rief mir zu, das sei echt ein ganz besonderes Talent, da könne ich stolz drauf sein . Hm, tja... ich erwäge nun auszuprobieren, ob ich womöglich auch noch über's Wasser laufen kann, dann könnte ich nach Las Vegas gehen. Werner würde mich ansagen und wir würden die neuen "Siegfried und Roy" werden und mehr Kohle machen als Celine Dion mit ihrer Singerei...

- Die Kassiererin an der Supermarktkasse, das Küchenpersonal beim Frühstück, die Bedienung im Restaurant, die Verkäuferin im Laden, alle fragen: "Hi, How are you?" oder "How are you today?" oder ähnlich. Eigentlich eine Floskel, aber es wäre gegen jede Gepflogenheit hier, wenn man nicht reagieren würde. Ich fühlte mich früher immer unbehaglich und wusste nicht, was ich antworten sollte. Dabei handelt es sich nur um einen harmlosen, banalen Dialog. In diesem Urlaub haben wir gelernt, damit richtig umzugehen, und festgestellt: Es tut nicht weh! Als Antwort genügt schon: "Good", "Great" oder "Fine". Man kann ein "Thank you" dranhängen und / oder freundlicherweise zurückfragen: "And you?" Manchmal wird ein Small Talk oder gar ein Gespräch daraus. An einem kühlen, windigen, grauen Vormittag bekam ich auf mein: "Fine, and you?" die Antwort "Kann mich nicht beschweren, so lange es nicht schneit..." Und einmal antwortete eine alte Dame auf das "How are you today?" einer Kassiererin in der Drogerie: "Ach, Süße, frag mich das heute abend nochmal. Sofern ich dann noch lebe."

- Rabatte, Rabatte, Rabatte, meistens beträchtliche. Und "Kauf eins, dann gibt es das Zweite umsonst dazu" (was uns u. a. eine zweite Riesentüte Chips beschert hat, die war gar nicht haben wollten, da schon die erste wegen ihrer Riesendimension erst nach reiflicher Überlegung ;) im Einkaufswagen gelandet war. Die zweite kriegt nun die Schuld, wenn wir zuhause nicht mehr in die Winterklamotten passen.... Wohin man schaut: Überall Coupons und Werbeaktionen, auch die Zeitungen sind voll davon. Wir haben wohl kein Kleidungsstück gekauft, auf das es nicht irgendeinen Rabatt gab.

So, das war nur Text heute. Fotos gibt es in Kürze, als Restposten mit Rabatt...

Ein schönes Wochenende, lasst es euch gut gehen!

Viele liebe Grüße, und ... how are you?

Eure Floridianer

Goodbye, Floridays - Hello, New York City

Dienstag, 20.01.2015

Moin Ihr Lieben,

als wir vor 15 Jahren das erste Mal über die blaue Brücke

nach Estero Island fuhren, um ein paar schöne Urlaubstage am Strand zu verbringen, fotografierten wir die Briefkästen, die ihr oben im Header seht. Sie sind noch da, inzwischen frisch herausgeputzt. Der blaue Kasten hat noch immer keine Hausnummer :D.

Gestern haben wir noch einen letzten, sehr langen sonnigen Spaziergang an der (einzigen) Hauptstraße gemacht. Es war Sonntag, und alle, ob zu Fuß, per Auto oder Bike, promenierten den Beach hinauf und hinunter. Sehenswert ist immer wieder der Treffpunkt der Biker, diese Hütte hier:

Etliche Motorradfahrer/innen, die allermeisten fahren Harley Davidson, brummten gemächlich an uns vorbei, unter anderem eine witzige Frau, die den anderen Autofahrern und Bikern immer wieder Sprüche zurief, winkte und sichtlich Spaß am Fahren hatte. Werner meinte anerkennend, sie fahre eine tolle Maschine, wohingegen ich, nun jaaha, die Farbe schön fand. Und außerdem gibt es da in good old Germany eine wunderbare, taffe (schreibt man das so? Oder so: toughe?) Harley-Fahrerin, für die ich zu gern ein Foto machen wollte.

Als die muntere Bikerin kurz anhielt, sprach ich sie kurzerhand an...

"Hallo, wärest du so nett, mir einen Gefallen zu tun? Darf ich dich und dein Bike fotografieren?"

Sie lächelte: "Ja, klar, gern."

"Ich komme nämlich aus Deutschland und ..."

"You are from Germany? Dann können wir deutsch sprechen..."

Es wurde ein kurzer, guter Dialog, so einer, an den man noch lange denkt. "Träume und Hoffnung sind so wichtig, die muss man sich bewahren", meinte sie, und ganz viele liebe Grüße an die Freundin... Winke winke und weg war sie... Auch wieder so ein Mensch, den ich gern näher kennengelernt hätte.

Werner hatte gestern ebenfalls einen interessanten Klönschnack, mit einem alten Ehepaar. Der Mann war über 90, er konnte sogar noch etwas deutsch, denn er hatte im 2. Weltkrieg in Österreich und Deutschland gegen die Deutschen gekämpft. Werner meinte, es sei beeindruckend gewesen, wie er ohne Ressentiments auf jene Zeit zurückgeblickt hat. Die beiden wohnen an der Route 66, die wir dieses Jahr (ja, schon dieses Jahr, und ick freue mir janz dolle!) bereisen werden.

Morgen fahren wir nach Miami und geben den Wagen ab. Zum letzten Mal auf dem Highway fahren, Sonne und blauen Himmel genießen, "den Wind in den Haaren spüren" hätte ich fast geschrieben, um im Klischee zu bleiben, aber das ist ja nun zu kurz dafür, und das Radio spielt Musik vom Lieblingssender "94.5 The Arrow" Classic Rock. Sie senden vormittags werbefrei und haben uns ein paar Songs wieder in schönste Erinnerung gerufen, die wir gar nicht mehr auf dem Sender hatten.

Apropos Musik: Nebenan in der rechten Spalte dieses Blogs habe ich unter dem Stichwort "Floridays Songs" ein paar Country- und Gute-Laune-Songs verlinkt. Reinhören lohnt sich!

Und mit diesen Fotos aus der Reste-Kiste sagen wir "Stay Tuned, demnächst aus New York City!"

  Gladd alll overr

  Tattoo You   

"Sylt Life" aus Deutschlands Norden   

Spanish Moss    Vietnam War Veteran 

 

Die Häuser sehen nett aus  

Doch wenn man genauer hinsieht...

ist manches nur Fassade :D 

Ist die Terrasse noch so klein,

so mancher igelt sich gern ein:

                 

 

     Allerschönste Grüße nach überall, wo man uns liest

     Eure Free Birds

     

New York, New York

Donnerstag, 22.01.2015

Hallo zusammen,

es ist atemberaubend - besonders der Ausblick aus dem 40. Stockwerk unseres Hotels direkt am Times Square

                     

Demnächst mehr!

Fremdeln und erste Eindrücke

Freitag, 23.01.2015

Gestern, als wir am Nachmittag einen ersten Spaziergang um den Block machten, fremdelten wir mit dieser Stadt. Nach den Palmen, dem Strand und der sonnendurchtränkten, pastellfarbenen Heiterkeit Floridas war das Leben auf New Yorks Straßen in jeder Hinsicht too much: der wühlige Verkehr, das Menschen-Gewusel in den engen Straßen, die Müllsäcke, die sich an der Straße stapeln, die Wolkenkratzer, der Lärm, die krassen Gegensätze - Armani und Gucci neben zerlumpten Obdachlosen. Ich erwog, mich ins Hotelzimmer zurückzuziehen und die Tage bis zum Abflug dort zu verbringen ;-). Aber als es dunkel wurde und wir zurück zum Times Square bummelten, war ich schon wieder begeistert, so groß, strahlend und schön sah alles aus.

Jetzt ist es Abend und wir sind erschöpft vom vielen Herumlaufen. Wir sind stundenlang durch die Straßen gebumment, waren im Central Park, der übrigens mehr als doppelt so groß ist wie der Hamburger Stadtpark, im Trump Tower, am Columbus Circle und auf der Fifth Avenue.

Irgendwo standen wir an einer Straßenecke und guckten hier und guckten da. Ein Mann sprach uns an: "Haben Sie sich verirrt?" Wir: "Nein, wir sehen uns nur um." Er: "Woher seid Ihr?" Wir: "Aus Deutschland." Er: "Woher genau?" - "Hamburg."  "Ah, das liegt im Norden. Ich habe mal eine Zeitlang in Köln gelebt." Wir: "Und wie war's?" Er: "Hmmm." Wir: "Kein Vergleich mit New York City, was?" Er lachte: "Wisst ihr, was das Gute an dieser Stadt ist? Es kümmert hier niemanden, wer oder was du bist, jeder macht einfach sein Ding."

Werner hat eine ausgeprägte Vorliebe für Wolkenkratzer, und er geht gern in die Foyers von Hotels und Häusern. Wir kamen an einem besonders interessanten vorbei, dessen Fassade über und über mit Drachen, Kronen und Salamandern verziert ist.

"Is it beautiful or it is too much?"

     

Ein Blick auf die am Gebäude angebrachte Tafel zeigte uns, dass es sich um die in den Jahren 1907-1909 erbauten Alwyn Court Apartments handelt. Die Verzierungen bestehen ungewöhnlicherweise aus Terracotta. Der Pförtner im Eingangsbereich ließ uns nicht 'rein - "Not allowed". Verständlich, aber so konnten wir wenigstens einen Blick auf das Riesengemälde an der Treppenhauswand erhaschen.

Ins Plaza Hotel sind wir diesmal auch gehuscht und haben uns ein wenig umgesehen.

  

 

Heute war Klecker-Tag. An einem Hot Dog-Stand kauften wir Hot Dogs, und ich bekleckerte meine weiße neue Daunenjacke ordentlich mit Ketchup und Senf. Der nette Hot-Dog-Verkäufter sprühte wer weiß was aus einer Plastikflasche drauf und schwupps - sämtliche Flecken waren verschwunden. Es blieb nicht das einzige Missgeschick.

Ein Mann, der Spenden für die Obdachlosen-Hilfe sammelte, sah, wie wir vergeblich an einer Tür zu einem Lokal rüttelten, ehe wir Schild und Pfeil "Eingang um die Ecke" bemerkten. Als wir uns dorthin wandten, müssen wir wohl ziemlich dumm geguckt haben, jedenfalls trafen sich unsere Blicke, und er wollte sich schier ausschütten vor Lachen über unseren Irrtum. Ein echter "Wir sind aus Finnland, da macht man das so"-Moment.

Ein freundlicher New Yorker Autofahrer hielt extra an, damit  ich diesen Russischen Tea-Room auf der gegenüberliegenden Straßenseite fotografieren konnte.

 

 Dieser Herr im Foyer eines Einkaufszentrums ist ein echter Hingucker:

Das weibliche Pendant nicht minder, eine Dame warf sich schützend ins Bild ;-)...

John Lennon hat im Dakota-Gebäude

am Central Park gewohnt, vor dem er 1980 erschossen wurde. Das Haus war übrigens Schauplatz des Films "Rosemarys Baby". Im Central Park, quasi vor dem Gebäude, erinnert dieses Mosaik

an ihn.

Leider gab dort ein junger Mann mit eineinhalb Akkorden auf der Gitarre, grauenhaftem Gesang und mehr als lückenhaften Texten, die er mit Genuschel zu übertünchen versuchte, pausenlos Beatles-Songs von sich. Grrrr....

                     Hot Dogs und geb rannte Mandeln             

 

Vor dem Park werden Kutschfahrten angeboten. Für 3 Dollar pro Minute. Da laufen wir doch lieber.  Kutschen, Taxen, Wolkenkratzer :D

 

Zurück ging es auf der Fifth Avenue: Fahnen und die berühmte Eisbahn am Rockefeller-Center

 

 

Ein güldener Prometheus guckt zu 

  
  

Es muss nicht immer Tiffany's sein, denn ein echter Hamburger ist auch vertreten

Wer möchte bloß in so einem schrecklich hohen Spargel, Verzeihung, Haus wohnen? Es ist noch nicht mal fertig gebaut und die Wohnungen sollen schon zum größten Teil vermietet sein. Verrückt:

Viel sympathischer und typisch New York: Delis (kleine Lebensmittelgeschäfte), Cafés und Feuerleitern

 

See you!

 

Nights on Broadway

Samstag, 24.01.2015

Hallo alle miteinander, heute war ein schöner Tag. Es war kalt, aber nicht windig, und die Sonne schien. Und kaum tritt man abends vor die Tür, schon stolpert man über Prominenz...

Wir waren heute abend ein Stündchen unterwegs, um das Lichtermeer am Broadway zu bestaunen. Ein paar Schritte hinter unserem Hotel ist das Schoenfeld Theatre, bei dem sich einige Kameraleute vor diesem Bühneneingang    postiert hatten.

Ich also hin, ohne eine Ahnung zu haben, was da passiert, aber ganz nach dem guten alten DDR-Motto "Hier stehen sie Schlange, also muss es da was geben." Werner blieb etwas entfernt, aber mit freiem Blick aufs Geschehen. Natürlich hoffte ich, dass möglicherweise Helen Mirren dort auftauchen würde. Sie wird am Theater überall mit dem Stück "The Audience", in dem sie Queen Elisabeth II spielt, angekündigt. Tatsächlich - Tusch und Scheinwerfer an - erschienen nach kurzer Wartezeit einige Schauspieler, die ich aber dummerweise alle nicht kannte. Ich bin keine große Filmeguckerin, aber nichtsdestotrotz bzw. gerade deswegen fotografierte ich fleißig. Könnte ja jemand Berühmtes sein, dachte ich mir. Sie hielten Schilder in den Händen, auf denen der Titel "It's only a play" zu lesen war. Der Riese neben mir  rief nach "Matt" und bat um ein Autogramm. Ich kenne nur einen Matt, den Damon, und der war es nicht. Plötzlich fand ich es unhöflich, jemanden, der so nah ist, dass man sozusagen seinen Atem riechen kann, während er sich neben einem über's Papier beugt und seinen Namen aufschreibt, einfach so zu fotografieren, und so ließ ich es sein. Aber der Riese erntete von den Umstehenden Komplimente dafür, dass er eine Unterschrift bekommen hatte.

Nun ja, Helen Mirren war jedenfalls nicht dabei, statt dessen eine gutgelaunte brünette Mittvierzigerin mit Hut    und ebenso fröhlichem  Hund, sowie eine hübsche zarte Blondine, die ich zwar auch nicht kannte, die mir aber ein so strahlendes Lächeln schenkte, dass ich sie einfach fotografieren musste. Und dabei voll verwackelte. Dafür ist sie hier zu sehen

       

      Werner sagt, den hier kennt er:  

Der hat den Wedding-Planner in dem Film "Der Vater der Braut" gespielt)

Anschließend bummelten wir durch die Theater-Gegend, in der das Leben nachts erst so richtig aufdreht. Der Lärm ist enorm, die Lichter sind einfach fantastisch, die Leute sind guter Dinge, sie laufen langsam, schnell, kreuz und quer, hin und her.

     

Dazwischen Taxen, Gehupe, und die Feuerwehr mit Alarm. Übrigens haben die Feuerwehrautos über der Frontscheibe Schriftbänder wie Busse, und ich sah tatsächlich eins mit der Aufschrift "Don't miss our next Performance" (Verpasst unsere nächste Vorstellung nicht) - sowas gibt es nur in New York, oder?

  

In diesem Gewimmel kreuzte ein Paar unseren Weg, und kaum waren sie vorbei, sagte Werner zu mir: "War das nicht diese... wie heißt die noch, diese Blonde, Aniston?" Ich: "Wie?, Jennifer Aniston?" Keine Ahnung, ich hatte mal wieder nix gesehen. Ihr Begleiter, da war Werner sicher, war jedenfalls "Matt" von vorhin. Und Werner meinte, "die Aniston" wäre die ganze Zeit bei der Kamera-Aktion im Hintergrund gewesen. Hatte ich natürlich auch nicht mitbekommen...

Im Hotel googelten wir „It's only a Play“ im Schoenfeld Theatre, und es stellte sich heraus: "Matt" ist Matthew Broderick, und "Jennifer Aniston" ist seine Ehefrau, die aber tatsächlich Sarah Jessica Parker heißt, und die ich ebenso wie Werner leicht mal mit Frau Aniston verwechsele. Die aufgeklärte Leserschaft ahnt es sicher schon: Ich hab nie "Sex and the City" geguckt. Hier ein Foto von den beiden, die übrigens in New York nicht nur arbeiten, sondern auch mit ihren drei Kindern leben. 

Quelle: "Matthew Broderick Sarah Jessica Parker Shankbone 2009 Tribeca" von David Shankbone - David Shankbone. Lizenziert unter CC BY 3.0 über Wikimedia Commons -

Ach ja, und die gutgelaunte Mittvierzigerin heißt Stockard Channing und wird in drei Wochen 71 Jahre alt. Warum bloß sieht man es ihr nicht an...? 

Weiter ging es durch das muntere bunte Treiben, doch nach einer Stunde taten uns die Füße weh. Wir waren tagsüber schon ziemlich viel gelaufen, unter anderem zur Grand Central Station, am Bryant Park vorbei, an dem sich die Public Library befindet. Ihr haben wir einen Besuch abgestattet, dann ging es hinunter zum UN-Gebäude am East River. Dort findet man auch einen irgendwie altertümlich anmutenden Gebäudekomplex, genannt Tudor City

             

(Auf dem letzten Bild sieht man im Hintergrund das Chrysler Building hervor ragen)

Werner fiel auf, dass die Häuser nach hinten zum Fluss hinaus nur winzig kleine Fenster haben. Und tatsächlich: Bei Tante Wiki liest man dazu, dass  "die Gegend am East River, in Nachbarschaft der heutigen Siedlung... seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert von Gangsterbanden... beherrscht wurden...Dort siedelten sich Fabriken, Brauereien und Schlachthöfe an. Man errichtete die Tudor-Siedlung am Rande der damals bebauten Fläche. Die Häuser der betont vornehmen Tudor City wurden "mit dem Rücken" zum Industriegebiet gebaut, hatten also keine großen Fenster in diese Richtung. Heute liegen auf dem Areal des ehemaligen Industriegebiets das UN-Gebäude und die neue UN-Plaza..."

Zum UN-Gebäude führt eine Treppe hinunter. Dort findet sich an der Mauer auf die Inschrift: 

 

"Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden fortan nicht mehr lernen, Krieg zu führen." - "Na denn man tau", kann ick dor bloß seggen. Und für die kleineren Probleme dieser Welt gibt es zum Glück auch einen Zahnarzt in der Nähe der Friedensstifter

Hier noch weitere Impressionen vom heutigen Tag

Echt alter Briefkasten im rückwärtigen Flur eines Restaurants

Bibliothek am Bryant Park     

Öffentliche Bibliothek am Bryant Park

    Bibliothek   Blick auf den East River        Mülltüten

             

Und hier noch die Musik zum Titel : https://www.youtube.com/watch?v=5wRM-t7wvF0

Demnächst mehr aus dieser faszinierenden Stadt

Eure

Helga und Werner!

 

Fauler Sonnabend

Sonntag, 25.01.2015

Heute morgen präsentierte sich New York City Grau in Grau. Es hatte über Nacht geschneit, der Schnee blieb jedoch nicht liegen. Die oberen Etagen der Hochhäuser verschwanden im Dunst, und wir gaben unsere Absicht, eine stillgelegte, begrünte Hochbahntrasse im Westen Manhattans, den Gruenen Laufsteg durch New York entlangzuwandern, auf. Von Grün ist jetzt im Winter eh keine Rede, und der leichte Sprühregen machte nicht gerade Lust auf längere Fußmärsche, zumal unsere Füße, die monatelang ein luftig-leichtes Luxusleben in bequemen Sandalen gewohnt waren, gegen ihr enges Dasein in Winterstiefeln fühlbar mit Druckstellen und Schmerzen rebellieren.

Statt dessen bummelten wir nur ein kleines Stück die 7. Straße hinunter. Die Gegend ringsum nennt sich Garment District , denn hier war bzw. ist das Zentrum der Modeindustrie Amerikas. Aufmerksam wurden wir durch zwei Skulpturen. Ein überdimensionaler Knopf mit durchgesteckter Nähnadel und ein Mann an einer Nähmaschine. Warum bloß ein Mann? Vielleicht war Schneider ganz früher mal ein reiner Männerberuf?

Im Hintergrund Knopf mit Nähnadel    

 

In den Gehsteig sind, dem Walk of Fame in Hollywood nachempfunden, Platten mit Infos und Namen amerikanischer Modedesigner eingelassen.

Vorbei an der Penn Station und dem Madison Square Garden ging es die Straße Richtung Süden hinunter und auf der anderen Straßenseite wieder zurück.

  

  
  

   

              

 

                               

"Kohl" im Pott (gab es auch als "Rotkohl")    

 

Man findet hier überall Delis, das sind kleine Lebensmittel-Läden, die Wurst, Käse, Getränke, Süßwaren, Sandwiches verkaufen und meistens rund um die Uhr geöffnet haben. Dort findet man auch eine große Auswahl an verzehrfertig vorbereitetem Obst sowie Fleisch- und andere Speisen, Soßen und Beilagen in großen Wärmebehältern. Wir haben uns mit Sandwiches und Keksen eingedeckt und den Rest des Tages im Hotelzimmer gefaulenzt, gelesen und unsere Knochen geschont. Mein Rücken macht sich inzwischen auch bemerkbar, ich glaube, ihm fehlt das Schwimmen.

Werner hat sich das Sofa so herumgerückt, dass er direkt aus dem 40. Stockwerk auf den Times Square, die Häuser und die Leuchtreklamen ringsum schauen kann:

Einen schönen Sonntag Euch!

 

Für heute grüßen

mit wunden Füßen

Werner und Helga

These Boots Are Made For Walking

Sonntag, 25.01.2015

Heute fuhren wir mit der U-Bahn gen Süden und gingen zu Fuß zurück. Die U-Bahn brachte uns

  nach Greenwich Village und Chelsea

Hier lebt ein buntes Völkchen, es gibt viele Cafés und kleine Grünflächen, Kunst und Theater, die Universität. Im Sommer, wenn hier die Bäume grün sind, muss es hier noch schöner sein. Statt Häuserschluchten niedrigere Bebauung, die ganze Gegend wirkt etwas europäischer.

Und ich erlebte eine Überraschung, denn zufällig fiel mein Blick auf dieses Straßenschild

Ich wusste bis heute nicht, dass diese Straße in Greenwich Village tatsächlich existiert. In ihr wohnte die Hauptperson eines früheren Lieblingsbuches von mir... :D

         

          

   Atelier ganz oben:

              

Aus Paris geklaut: Der Triumphbogen:    

         
   

            

      

Weiter ging's nach Chelsea:

  In der Mitte der Muskel-Macher-Grill *gg* :       

Und langsam nähern wir uns wieder höherer Bebauung und es geht Richtung Times Square

  

Kunst  aus  Plastiktüten     

       

 

      ("Wir sind hier oben - Was macht ihr da unten?")

Zurück im Hotel bemerkten wir, dass die Sicht heute besonders gut war. Gaaaanz weit hinten sieht man den East River

       

Werner hat am Nachmittag noch eine Runde gedreht, ich hingegen war mehr für's Faulenzen im Hotelzimmer.

Hier der Song zum Titel (da fällt mir auf: Schade, dass man heute kein Tambourin mehr in Popsongs hört):  https://www.youtube.com/watch?v=SbyAZQ45uww

Es grüßen Euch - bis morgen - die Bald-Heimkehrer!

Hazy Shade Of Winter

Dienstag, 27.01.2015

Hallo aus dem winterlichen New York!

Es ist schon kurios, über welche Wege der Informationsfluss durch die neuen Medien funktioniert: Gestern um 20.45 Uhr New York-Zeit bekamen wir Ahnungslosen eine Whatsapp-Nachricht von Arne aus Neuseeland mit dem Inhalt: "Wetterdienst warnt vor Monster-Blizzard in New York". Er hatte die Meldung auf einer deutschen Webseite gelesen.

Zum Glück berichten die amerikanischen TV-Sender inklusive Wetter-Channel sehr ausführlich und aktuell, sodass man ständig auf dem Laufenden ist. Es wird rechtzeitig gewarnt und detailliert informiert, wann welche Maßnahmen erfolgen, und alles Notwendige wird vorbereitet bzw. in die Wege geleitet, bevor der Notfall eintritt. Schulen schließen vorsorglich, es wird großflächig Salz gestreut, Obdachlosen werden Unterkünfte zugewiesen, es wird mitgeteilt, ob und ab wann Züge nicht mehr fahren usw.

So weit wir wissen, sollen heute ab 22 Uhr alle Straßen für den Autoverkehr gesperrt werden. Zwischen 22 Uhr und 10 Uhr morgen früh wird mit dem meisten Schnee und dem stärksten Sturm gerechnet.

Gestern abend wussten wir also bereits, dass heute mit Schietwetter zu rechnen ist. Doch wann genau? Wir hatten uns für heute die Gedenkstätte für die Opfer des 11. Septembers 2001 vorgenommen. Der Ort liegt viel zu weit entfernt, um ihn zu Fuß zu erreichen, also mussten wir U-Bahn fahren. Was aber, wenn der Schneesturm dann mittenmang käme? Prompt ging meine Fantasie wieder mit mir durch. Ich sah uns wegen Stromausfall und Schneeverwehungen schon mit anderen Bekloppten im U-Bahn-Schacht bei Notbeleuchtung und Affenkälte ohne Handyempfang herumhocken, es würde zu Erfrierungen, Sprachverwirrung und Handgreiflichkeiten um die letzten Brotreserven kommen. Schließlich würde man uns entdecken und uns Gerätschaften zukommen lassen, mit denen wir uns mit letzter Kraft den beschwerlichen Weg ans Tageslicht freischaufeln würden, nur um dort festzustellen, dass oben der Verkehr zum Erliegen gekommen ist und wir zu Fuß zum Hotel zurücklaufen müssten.

...Also gingen wir erstmal Hamsterkäufe machen. Nein, im Ernst, niemand macht hier in der Stadt Hamsterkäufe, jedenfalls haben wir keinen gesehen. Wir hatten allerdings den Eindruck, dass weniger Leute und Fahrzeuge als sonst unterwegs waren. Nach dem Einkauf sagte Werner, er würde auch allein zur Gedenkstätte fahren. Das Fernsehen berichtete, dass erst ab 13 Uhr mit stärkerem Schneefall zu rechnen sei. Und ich war mutig (mal wieder, denn ins 40. Stockwerk wollte ich eigentlich auch nicht, und jetzt finde ich es ganz ok) und fuhr mit.

Über 9/11 ist alles gesagt, geschrieben, gedacht. Hier einige Fotos von der Gedenkstätte

 

 

Freedom

Memorial 

  Innocence

Tears

 

 

Wieder zurück, setzte starker Schneefall ein. Schlechte Sicht heute

  

Die Temperaturen gingen im Laufe des Nachmittags bergab, der Wind nahm zu. Wir gingen in ein nahegelegenes Restaurant und wanderten anschließend noch ein wenig durch die Straßen in der Nähe - die Gegend, in der die Einheimischen wohnen und wohin sich selten ein Tourist verirrt, obwohl es nur wenige Blocks von den Hauptstraßen entfernt ist. Ach ja, und bei Toys R Us kann man essbare Legosteine kaufen (bauen lässt sich damit auch)

  Handlesen     

Wir fanden sogar die Straße wieder, in der Werner vor vielen Jahren bei einem sehr netten indischen Zahnarzt gewesen war. Der Doktor beorderte mich damals neben sich und zeigte und erklärte mir ganz genau, was er da machte (so genau wollte ich es ja gar nicht wissen, und eigentlich auch nicht SEHEN!), und nach dem Motto: "Reichen Sie mir doch schnell mal das Riechfläschchen von dort drüben", setzte er mich gleich mal als Assistentin ein... Anschließend waren wir damals noch in einem italienischen Restaurant und Werner ließ es sich schmecken, also hatte der Herr Doktor gute Arbeit geleistet.

Übrigens sind alle Flüge unserer Airline für heute und morgen gestrichen. Übermorgen (Mittwoch) geht unser Flug, laut bisheriger Auskunft planmäßig. Dann soll auch schon wieder die Sonne scheinen. Schaun mer mal. Auf jeden Fall wird morgen gepackt. So, jetzt hab ich mich doch noch verplaudert. Es ist 20 Uhr, und - pardauz!- draußen schneit es nicht mehr.

Werner will nochmal eine Runde um den Block drehen und die "Schneeberge" ausmessen, ich ziehe mich mit Käse und einem knackigen Baguette (aus diesem Laden:)

 

zurück und grüße zum vorletzten Mal in die Runde!

Eure Helga (drinnen) und Werner (draußen)

Hier noch der Song zum Titel: Simon and Garfunkel - Hazy Shade of Winter

 

 

Auf Wiedersehen in Germany

Mittwoch, 28.01.2015

Hallo Ihr Lieben!

Der Monster-Blizzard war zum Glück keiner. Eiskalter Wind, vereinzelte Schneegestöber, aber kein Sturm und keine Schneeberge. Viele Läden und Restaurants hatten heute vormittag geschlossen, auch der Housekeeping-Service im Hotel wurde mangels Personal reduziert, denn die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren bis heute Mittag nicht, und so konnten viele Angestellte nicht zur Arbeit kommen. Auf den Straßen war es ruhig, nur wenige Menschen waren unterwegs, fast überall war geschippt und gestreut.

     

Hier noch etwas Kurioses: Gegenüber auf dem Haus befindet sich ein Schienenstrang, der ins Nichts zu stürzen scheint. Was kann das bloß sein? Wir mutmaßen, es könnte sich um eine Rampe für die Körbe handeln, in denen die Fensterputzer stehen und von außen die Fenster reinigen. Oder hat das was mit Batman zu tun...?! Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Habt Ihr eine Idee?

 

 

Unsere Koffer sind gepackt, jetzt heißt es Abschied nehmen. Ein bisschen Wehmut ist dabei, besonders, wenn wir an die schöne Zeit in Florida denken.

Aber Amerika ist groß, und obwohl wir schon einige Male hier waren, gibt es noch viel zu entdecken. Im Herbst wollen wir ja schon wieder auf eine mehrmonatige Reise gehen, dann mit dem Auto quer durch die USA, von Ost nach West, die Route 66 entlang.

Von Chicago bis nach Santa Monica/Kalifornien sind es ungefähr 4000 Kilometer. Hier ist die Strecke rot markiert:

Übrigens: Der US-Bundesstaat Montana (oben eingekreist) ist ungefähr so groß wie Deutschland. Amerika hat in etwa die selbe Fläche wie Europa, allerdings leben in Europa dreimal so viele Menschen auf einem Quadratkilometer, und in Deutschland drängeln sich sogar fast neunmal so viele wie in Amerika. Die USA sind in vielerlei Hinsicht ein weites Land.

Die "Floridays" werden bis auf Weiteres - mit dezimierter Zahl an Fotos -  hier stehen bleiben, denn es gibt immer noch einige interessierte Leser.

Wir sagen allen Blog-Lesern vielen Dank dafür, dass Ihr auf den Floridays-Pfaden mit uns gewandert seid, und ebenso ein großes Dankeschön für all die Kommentare, Mails und andere Nachrichten. Es war schön, auf diese Weise mit Euch verbunden zu sein.

In diesem Sinne Auf Wiedersehen - wir grüßen Euch

ein letztes Mal von der anderen Seite des großen Teichs

Eure 

Werner und Helga

 

P. S. Geplant ist, auf der Route 66 ein neues Weblog zu schreiben. Wer von Euch über Titel und Start informiert werden möchte, den bitten wir um eine kurze Nachricht, entweder über das Kontaktformular rechts oder an helskel@web.de Ihr bekommt dann rechtzeitig Bescheid, wie und wo es weitergeht.